22.03.2021

Drei Regeln, um dein Team vor Burnout zu schützen

Die Belastungen der Corona-Krise sind ein gefährlicher Nährboden für eine sinkende Produktivität im Unternehmen. So verhinderst du den Burnout. Homeoffice und Homeschooling, Lockdown Long und über allem die Frage, wann ein normales Leben wieder möglich sein wird. Arbeitgeber müssen jetzt mehr denn je für Sicherheit und Stabilität sorgen, um ihr Team durch die Krise zu führen.

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Burnout-Anzeichen erkennen und gegensteuern

Was ist ein Burnout und wie erkenne ich frühe Anzeichen?

Das Phänomen des Burnout wurde erstmals 1974 von dem amerikanischen Psychotherapeuten Herbert J. Freudenberger beschrieben. Handelte es sich zunächst um ein Problem, das vor allem in Sozialberufen beobachtet wurde, lassen sich die für einen Burnout typischen Symptome heute in weiten Teilen der Arbeitswelt nachweisen.

Burnout ist dennoch keine anerkannte medizinische Diagnose bzw. "Krankheit". Es handelt sich vielmehr um ein Konzept, das berufliche Belastungserfahrungen beschreibt, die Menschen als überfordernd und kränkend wahrnehmen und die mit psychischem bzw. psychosomatischem Druck einhergehen.

Es gibt drei frühe Anzeichen eines Burnout:

  1. Emotionale Erschöpfung
  2. Distanzierung/Zynismus
  3. Geringere Arbeitsleistung

Sie lassen sich zurückführen auf ein Ungleichgewicht in wesentlichen Aspekten der Arbeits- und Lebensrealität der Betroffenen. Dazu zählen u.a. die grundsätzliche Arbeitsbelastung, die Fähigkeit zur Kontrolle, das Prinzip der Belohnung, das Gefühl von Gemeinschaft, empfundene Fairness und geteilte Werte. 

Viele dieser als Ungleichgewichte empfundenen Risiken lassen sich um drei wichtige Epizentren gruppieren:

  • Selbstidentität,
  • Kontrolle und
  • Erschöpfung.

Für Arbeitgeber ist es wichtig früh zu erkennen, ob sich Mitarbeiter einer übermäßigen Belastungssituation ausgesetzt sehen, um effektiv gegensteuern zu können. Die wesentlichen Ungleichgewichte sind dabei gleichzeitig dein Hebel, um Stabilität und Sicherheit auch in schwierigen Zeiten zu gewährleisten

Drei goldene Regeln zur Verhinderung eines Burnout

1. Schütze die Selbstidentität deiner Mitarbeiter

Burnout-Betroffene sehen häufig ihre Selbstidentität, ihren Selbstwert und ihren sozialen Status bedroht. Willst du verhindern, dass Krisenerfahrungen das emotionale Gleichgewicht deiner Mitarbeiter gefährden und zu Motivationsabfällen führen, musst du gezielt ihre Selbstidentität schützen. Dies gelingt durch u.a. folgende Maßnahmen:

  • Klare Zuweisung von Aufgaben und Kompetenzen: Wenn die Rollen im Team klar verteilt sind, stärkt dies die Selbstidentität und den sozialen Status einzelner Teammitglieder
  • Fairness im Umgang und Belohnungsaufwand: Sorge für einen fairen Umgang mit deinen Mitarbeitern. Eine als ungleich empfundene Behandlung einzelner Mitarbeiter erhöht den Stress vulnerabler Beschäftigter. Umgekehrt sorgt die Anerkennung und Wertschätzung der Arbeitsleistung jedes Einzelnen dafür, dass das Stresslevel merklich sinkt und das Selbstwertgefühl entsprechend steigt.
  • Individuelle Ziele erkennen: Versetze dich in die Motivation deiner Mitarbeiter hinein. Was treibt sie an? Welche Werte sind ihnen wichtig? Wie kannst du die persönlichen Ziele deiner Mitarbeiter mit jenen des Unternehmens in Einklang bringen? Gelingt dir dies, stärkst du die Selbstidentität des Einzelnen, der auch in Krisenzeiten ein klares "Warum" erkennt, um sich dem vielleicht schwierigen "Wie" seiner Arbeitsaufgabe zu stellen.
  • Nahbarkeit und Verständnis: Pflege eine Kultur der Akzeptanz und der sozialen Unterstützung im gesamten Team. Das schützt den sozialen Status deiner Mitarbeiter und wirkt dem Rückzug bzw. der Isolation aus Angst vor Ablehnung entgegen.

2. Maximiere die Fähigkeit zur Kontrolle

Unsicherheit verursacht Stress. Die Wahrnehmung eines Kontrollverlusts ist eine der Hauptursachen für einen Burnout. Auch hier kannst du effektiv und frühzeitig gegensteuern, um Mitarbeitern den nötigen Rückhalt zu geben.

  • Arbeitspensum und Ziele definieren: Geh in ein regelmäßiges Feedbackgespräch, um zu überprüfen, ob dein Team weiß, was du von ihm erwartest, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Maßnahmen hierfür von jedem Einzelnen zu ergreifen sind.  
  • Sei transparent: Treffe keine kurzfristigen Entscheidungen und vor allem - treffe sie nicht allein. Wenn es darum geht ein neues Projekt oder einen neuen Auftrag mit klarer und womöglich kurzer Deadline erfolgreich zu vollenden, solltest du deine Mitarbeiter vollumfänglich darüber aufklären, was das für jeden Einzelnen bedeutet. Die Fähigkeit zur Kontrolle unter Mehrarbeit und erhöhter Belastung steigt, wenn sie mit dem Faktor der Freiwilligkeit einhergeht, nicht jedoch unter einem verordneten Zwang.
  • Vermeide unnötige Spannungen: Ein Mitarbeiter, der spürt, dass er oder sie frei sprechen können, ist in der eigenen Selbstidentität bestärkt und behält die Kontrolle über die eigene Situation, auch wenn die Rahmenbedingungen erschwert sind. Achte auf deine Worte. Suchst du das Gespräch mit Mitarbeitern, formuliere dein Anliegen konkret auf den Sachverhalt bezogen. Vermeide Aussagen wie "Bitte kommen Sie in mein Büro". Dies sorgt für unnötigen Stress in ohnehin schwierigen Zeiten.

3. Minimiere die Ursachen für Erschöpfung

Erschöpfung - ob kognitiv, emotional oder physisch - ist ein starkes Vorzeichen für einen Burnout. Hohe Arbeitsbelastungen oder unsichere Perspektiven können zu emotionaler Erschöpfung führen. Entwickelt sich hieraus ein Dauerzustand sind persönliche Distanzierung und im schlimmsten Fall Zynismus gegenüber der eigenen Arbeitssituation die Folge.

  • Stelle sachliche und offene Fragen: Läuft es mal nicht so, wie du es dir vorstellst, solltest du einen sachlichen Klärungsansatz wählen, der dazu einlädt wiederum offen zu sprechen. Vermeide Fragen wie "Warum ist XY passiert?" sondern "Was ist passiert?" Kognitive Neubewertungen helfen, negative Emotionen zu regulieren und emotionale Erschöpfung zu reduzieren.
  • Sorge für Abwechslung: Wenn Mitarbeiter unter schwierigen Rahmenbedingungen jeden Tag das gleiche Problem wälzen müssen, erhöht dies das Risiko für eine frühzeitige Erschöpfung. Gib ihnen Gelegenheit regelmäßig andere kognitive Eigenschaften zu nutzen, indem du z.B. Projektteams neu zusammensetzt oder sorge für Abwechslung in der jeweiligen Arbeitsumgebung.
  • Pausen einplanen: Wenn niemand das Licht am Ende des Tunnels sieht, wird es schwierig eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung oder auch schwierige Phasen im Unternehmen gleichbleibend motiviert zu bewältigen. Arbeite mit Sprints und lass deine Mitarbeiter wissen, welche Belohnung sie nach einem klar definierten Etappenerfolg erwartet.
  • Ruhezeiten und Work-Life-Balance überprüfen: Ganz gleich, in welcher Branche du zuhause bist, als fürsorglicher Arbeitgeber sollte es dein Ansinnen sein, dass deine Mitarbeiter unter schwierigen Rahmenbedingungen und bei erhöhtem Arbeitspensum gesund bleiben. Dies gilt ganz besonders für Schichtarbeiter, die bei einem steten Ungleichgewicht von Tag- und Nachtdiensten oder nur kurzen Ruhephasen besonders von Burnout-Symptomen bedroht sind.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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