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26.07.2019

Das nächste Einhorn: Blockchain StartUp Chainalysis

Seit 5 Jahren veröffentlicht das Magazin Forbes jedes Jahr seine Liste der vielversprechendsten wachstumsstärksten und Business Angel finanzierten StartUps, deren Wert in naher Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit 1 Mrd. USD betragen könnte. Gemeinsam mit TrueBridge Capital Partners wurden hierfür die Finanzen von insgesamt 150 Unternehmen zugrunde gelegt und weitere Unternehmensangaben durch die Journalisten von Forbes geprüft. „Cryptocurrency Crimefighter“ Chainalysis schaffte es dabei als einziges Blockchain-Unternehmen in die aktuelle Auswahl. Wir stellen Chainalysis vor.

Jonathan Levin gründete Chainalysis im Jahr 2014 um zunächst zu untersuchen, wie Menschen Bitcoin verwenden. Eher zufällig stieß Levin im Lauf seiner Trackingverfahren auf 650.000 BTC zum damaligen Wert von 1,7 Mrd USD, die im Zuge des Mt. Gox-Börsenhacks als unwiederbringlich verloren galten. Am 8. Juni 2017 versicherte Levin dies vor dem US-Unterausschuss für Terrorismus und illegale Finanzen. Aufgrund der Untersuchungen von Chainalysis konnten anschließend BTC im Wert von 1,2 Mrd. USD sichergestellt werden. Dies entspricht einem aktuellen Wert von 6,5 Mrd. USD. Damit war der Weg für Chainalysis quasi vorgezeichnet. Aktuell arbeitet Levin mit 160 Mitarbeitern in New York, Washington D.C., London und Kopenhagen. Als „the world´s leading provider of blockchain intelligence data“ hat er es 2019 außerdem auf die Forbes Europe 30 under 30 list geschafft.

Das Kerngeschäft von Chainalysis beruht auf der technologischen Fähigkeit, Blockchain-Muster zu identifizieren. Auf der Chainalysis Blockchain Intelligence Platform laufen zu diesem Zweck entwickelte Compliance- und Untersuchungsprogramme, die Bitcoin-Börsen und klasssiche Banken-Institutionen wie z.B. Barclays gleichermaßen nutzen, um Geldwäsche und illegale Transaktionen zu identifizieren. Damit ist Chainalysis laut eigener Aussage der „leading provider of Anti-Money Laundering Software for Bitcoin“. Die Chainalysis Software-Programme verifizieren illegale Transaktionsaktivitäten bei hoher Abschlussrate.

Um internationalen Rechtsstandards folgen zu können, arbeitet Chainalysis mit unterschiedlichen Partnern zusammen. Dazu zählen Europol und weitere internationale Strafverfolgungsbehörden. Gemeinsam ist es gelungen weltweit Crypto-Diebstähle und Cyber-Criminals bis zur Quelle zurückzuverfolgen und zu verurteilen. Ein nicht zu vernachlässigender Fakt, bedenkt man die nach wie vor vielfach dünne Beweislage, die sich zudem sehr schnell in dezentralen Netzwerken verbergen kann.

Mit einem neuen Tool, spezifisch konzipiert für Finanzdienstleister und traditionelle Banken, erschließt sich das Unternehmen neben den klassischen Akteuren der Crypto-Wirtschaft mittlerweile weitere Kundenkreise im Zuge der voranschreitenden Verknüpfung von Crypto- und Fiat-Werten. Das Tool ermöglicht die automatische Einhaltung geltender Sicherheitsbestimmungen im Transaktionsgeschäft und kann z.B. eingehende digitale funds tracken. Dies ist wichtig, da immer mehr Banken und Finanzdienstleister ihre Accounts für Crypto-Anbieter öffnen bei gleichbleibend avisierten Sicherheitsstandards.

Mit einem Finanzierungsvolumen von 53 Mio. USD u.a. von Accel und Benchmark ist Chainalysis solide aufgestellt. 2018 erwirtschaftete das Blockchain-StartUp geschätzte 8 Mio. USD.

Bitfury, als der größte Wettbewerber von Chainalysis, hat es sogar im April 2019 auf die Forbes-Liste der Blockchain’s Billion Dollar Babies geschafft und wird bereits jetzt auf mehr als 1 Milliarde US-Dollar geschätzt.

Das Unternehmen CipherTrace und seine quartalsweisen Sicherheitsreports sind ebenfalls eine geschätzte Brancheninstitution. Cipher Trace konnte bereits mehr als 10 Mio. USD funding akquirieren, um weiterhin illegale Aktivitäten auf verschiedenen Blockchains zu tracken.

Betrachtet man die technologischen Bemühungen herausragender Branchenakteure wie Chainalysis oder Cipher Trace, dann gilt es 2019 die einzelnen legislativen Bemühungen der Nationalstaaten-Regierungen weiter zu konsolidieren bzw. diese in ihrer Diversität noch umfänglicher technologisch abzubilden. Dies wäre ein wichtiger Schritt der Crypto-Wirtschaft auf dem Weg in die verdiente Rechtssicherheit.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.