30.04.2021

Bist du eine Unternehmerpersönlichkeit?

Besitzt du die Charaktereigenschaften eines Unternehmers? Welche Fähigkeiten sind krisenentscheidend und wettbewerbsrelevant? Wir machen den Test. Wissenschaftler definieren fünf dynamische Wesenszüge, die fähige Unternehmer auszeichnen. Über die Langlebigkeit deines wirtschaftlichen Erfolgs entscheidet eine besondere Schlüsselkompetenz.

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Erfolgreiche Unternehmer brauchen Steherqualitäten

Unternehmen führen: Diese fünf Eigenschaften brauchst du

Ob die Gründung eines Unternehmens erfolgreich sein wird oder wie dauerhaft sich ein Unternehmen am Markt behauptet, ist eng verknüpft mit den persönlichen Eigenschaften des Gründers oder der Unternehmerin.

Die Wissenschaft* widmet sich als Teil der Gründungsforschung auch den Charaktereigenschaften, die für selbstständige Unternehmer kennzeichnend sind. Der hierfür angewandte Trait Approach oder die sogenannte Eigenschaftstheorie definiert in diesem Zusammenhang stilistische Wesenszüge, Persönlichkeitseigenschaften, unternehmerspezifische Bedürfnisse und Grundmotive, die Gründer von Nicht-Unternehmern unterscheiden und die einen direkten Einfluss auf das Gründungsverhalten ausüben.

Das sind die fünf dynamischen Wesenszüge fähiger Gründer:

  1. Das Leistungsmotiv
  2. Die Internale Kontrollüberzeugung
  3. Die Risikobereitschaft
  4. Das Streben nach Macht
  5. Das Gesellungsstreben

*Die dynamischen Wesenszüge gehen auf den Pionier der motivationalen Gründungsforschung, den Verhaltens- und Sozialpsychologen David Clarence McClelland zurück.

Mach den Test: Fünf wesentliche Merkmale fähiger Unternehmer

1. Das Leistungsmotiv

Menschen mit einem hohen Leistungsbedürfnis wählen überproportional häufig ein Anstellungsverhältnis mit unternehmerischer Funktion oder gerade die Selbstständigkeit als ihre berufliche Zukunft. Diesen Zusammenhang wies McClelland in einer durchgeführten Langzeitstudie nach, welche die Korrelation der Ausprägung des Leistungsmotivs und die spätere Berufswahl von Studierenden ermittelte. Einen positiven Zusammenhang zwischen der Stärke des Leistungsmotivs und dem Umsatzerfolg sind in der Gründungsforschung ebenfalls empirisch belegt.

Stark leistungsorientierte Menschen sind demnach gekennzeichnet durch

  • ein Streben nach mäßig schwierigen, aber erreichbaren persönlichen Zielen,
  • einen persönlichen Leistungsantrieb,
  • ein stetes Streben nach Verbesserung,
  • ein direktes Feedback,
  • eine hohe Problemlösungskompetenz,
  • ausgeprägte Teamfähigkeit auf der Basis der besten Köpfe sowie
  • eine starke materielle Ertragsausrichtung.

Einzelne Untersuchungen kritisieren die Betonung des Leistungsmotivs als Top-Motiv für Gründungswillen und unternehmerischen Erfolg. Zusammenfassend kann jedoch festgestellt werden, dass das Leistungsmotiv in Verbindung mit dem unternehmerischen Erfolg "das am meisten untersuchte und verifizierte Konstrukt in der Gründungsforschung" ist. 

2. Die internale Kontrollüberzeugung (Machbarkeitsdenken)

Bei der internalen Kontrollüberzeugung, oder auch interne Verhaltenskontrolle bzw. Machbarkeitsdenken, geht es darum, wie stark du glaubst auf bedeutsame Gegebenheiten Einfluss nehmen zu können. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen internaler und externaler Kontrollüberzeugung:

  • Internale Kontrollüberzeugung: Die internale Kontrollüberzeugung drückt aus, dass ein positives oder auch negatives Ereignis als Konsequenz des eigenen Verhaltens wahrgenommen wird.
  • Externale Kontrollüberzeugung: Eine externale Kontrollüberzeugung liegt vor, wenn ein Ereignis unabhängig von dem eigenen Verhalten erscheint. 

Entscheidend ist in beiden Fällen die Wahrnehmung einer Situation. Menschen mit einer ausgeprägten Kontrollüberzeugung versuchen aktiv ihre Umfeldbedingungen zu verbessern und legen gesteigerten Wert auf die Verbesserung ihrer Leistungen und Fähigkeiten. Dies drückt sich u.a. darin aus, dass du Misserfolge nutzt, um dich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

3. Die Risikobereitschaft

Unbestreitbar ist wohl der Wesenszug der Risikobereitschaft, der für Gründerinnen und Unternehmer kennzeichnend ist. Hier geht es allerdings weniger darum, als Kamikaze in Erscheinung zu treten, sondern vielmehr um das richtige Maß von Ressourceneinsatz zu ROI.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass erfolgreiche Unternehmer eine mittlere Risikobereitschaft aufweisen. Die jeweils gegenteiligen Pole führen indes nicht zu einem ausgeprägten unternehmerischen Erfolg. Ein zu niedriges Risiko ist für Unternehmer uninteressant, ein zu hohes Risiko wird aufgrund zu geringer Erfolgsaussichten vermieden. 

Setzt man die Risikobereitschaft mit dem Leistungsmotiv und der internalen Kontrollüberzeugung in Verbindung, verfolgen Menschen mit einem hohen Leistungsmotiv bevorzugt zwar hohe, aber doch erreichbare Ziele und klammern unrealistische Ziele aus (Mittlere Risikobereitschaft). Eine Existenzgründung eignet sich deshalb besonders für hoch leistungsmotivierte Menschen und Gründer mit einer mittleren Risikobereitschaft, die sich gleichzeitig durch eine ausgeprägte internale Kontrollüberzeugung auszeichnen. 

4. Das Streben nach Macht

Das Machtmotiv beschreibt zunächst den Wunsch, Verhalten zu kontrollieren und wird auch als Präferenz sozialer Einflussnahme bezeichnet. Auch hier gehen Forscher, ähnlich der Risikobereitschaft, davon aus, dass erfolgreiche Gründer und Unternehmer ein mittleres Machtbedürfnis aufweisen. Je nach Zustimmung oder Ablehnung zeichnet sich soziale Einflussnahme u.a. durch folgende Fähigkeiten und Bedürfnisse aus:

  • Kooperation,
  • soziales Einvernehmen,
  • Anpassungsstreben oder
  • Konkurrenz,
  • soziale Abgrenzung und
  • Überlegenheitsstreben.

Interessanter Hintergrund: Sehr viel ausgeprägter als bei Unternehmensgründern ist das Machtmotiv beispielsweise bei Personen, die im politischen Bereich aktiv sind.

5. Das Gesellungsstreben oder soziale Initiative

Als letzter typischer Charakterzug von Unternehmern gilt das Gesellungsstreben. Dieses wird auch als soziale Initiative oder kurzum deine Fähigkeit, relevante Netzwerke zu knüpfen, bezeichnet.

Typische Unternehmensgründer sollten kein Problem damit haben, mit ihren Mitmenschen zu interagieren. Die Stärke dergestalt geformter Netzwerke hängt dabei von der Häufigkeit, der Ebene und der Wechselseitigkeit der Beteiligten ab. Für das Bewältigen z.B. unternehmerischer Krisenzeiten sind nicht nur geschäftliche Netzwerke relevant, sondern auch die Fähigkeit tragfähige emotionale Beziehungen aufzubauen. 

Fazit: Bin ich eine Unternehmerpersönlichkeit?

Trotzdem sich die genannten Wesenszüge fähiger Unternehmerpersönlichkeiten in vielen Studien als typisch erwiesen, solltest du weitere Faktoren für deinen individuellen Unternehmenserfolg berücksichtigen. In einer sich ständig verändernden Geschäftswelt, müssen sich persönliche Dispositionen stets auch an äußeren Kontextfaktoren messen. Eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit und ein Vorbereiten auf unterschiedlichste Szenarien ist deshalb kennzeichnend für Unternehmen, die nach dem VUCA-Modell führen. 

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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