18.02.2019

Bulle oder Kälbchen? – Was kann die Bison App der Börse Stuttgart

Die erste App hinter einer traditionellen Wertpapierbörse

"Hey hier kannste Coins kaufen" - Man hat sich wohl bestenfalls für eine stringente Erzählweise entschieden, als man den PromoSpot der neuen Bison App konzipierte. "Powered by Börse Stuttgart" handelt es sich immerhin um die erste App hinter der eine traditionelle Wertpapierbörse steht. Diese will den Crypto-Markt nun "massentauglich" machen, um "Einsteigern einen einfachen, sicheren und schnellen Zugang in die Welt der Cryptowährungen zu eröffnen" Doch ist einfach immer gleichbedeutend mit gut? Wir haben uns durchgeklickt!

Mit Launch am 31. Januar 2019 hat der Bulle die Arena betreten. Nun heißt es abwarten, ob ein Run auf Coins tatsächlich die Erwartungen der Initiatoren erfüllt. Hinter der Bison App steht die Börse Stuttgart Tochter Sowa Labs und deren CEO Ulli Spankowski. Gemeinsam mit Blocknox, ebenfalls eine Tochtergesellschaft der Börse Stuttgart Digital Ventures GmbH und in Kooperation mit der Solaris Bank hat man sich sowohl intern als auch extern weitere Kompetenzen eingebunden. Aktuell richtet sich die App maßgeblich an deutsche Kunden. Diese Zielgruppe soll bis Q4 2019 allerdings weiter ausgebaut werden.

Bison - Wie funktioniert´s?

Jeder, der über ein Girokonto verfügt, kann eine beliebige Summe FIAT an die App senden und im zweiten Schritt Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Ripple kaufen und verkaufen. Die Integration weiterer Crypto-Währungen wird  vorbereitet. Bestehende Crypto-Funds können über die App nicht gehandelt werden.

Die Bison App steht als Demo- und Vollfunktionsmodus zur Verfügung. Ersterer verlangt lediglich den Download im Google Play oder Apple Store und eine unkomplizierte Anmeldung. Anschließend können Nutzer die Bison-Features mit quasi 'Spielgeld' testen. Will man tatsächlich handeln, so erfordert die App eine Authentifizierung des Nutzer via Video Ident.

War der Anmeldeprozess erfolgreich, findet sich der Nutzer auf einer schlichten Oberfläche wieder, die im Zentrum von einer kegelförmigen Struktur dominiert ist - dem CryptoRadar. Auf diesen ist Ulli Spankowski "besonders stolz".

Der Bison Cryptoradar und seine ´schlaue`Auslese

Mittels künstlicher Intelligenz wurde hier ein System installiert, das einen kompakten Überblick zur aktuellen Marktstimmung liefern soll. Dafür scanned die KI zunächst insgesamt 2 Mio. Crypto relevante Twitter Tweets. Abzüglich der digitalen Auslese bleiben hier noch 250.000 Tweets, die als meinungsbildende Instanzen gelten und entsprechend analysiert werden. Daraus ergibt sich eine zweiteilige Schnittmenge anhand derer sich die Position der jeweiligen Crypto-Währung ermittelt:

  • Der sogenannte Sentiment spiegelt die "Stimmungslage" für die betreffende Crypto-Währung in der öffentlichen Wahrnehmung wider. Je weiter rechts sich dieser im Radar befindet, umso positiver die aktuelle Stimmungslage.
  • Der sogenannte BUZZ reflektiert die Stärke des Meinungsaustausches über eine Cryptowährung. Je größer die Anzahl an Tweets für eine Crypto-Währung, desto höher befindet sich der Coin im Radar.

Leider bleibt unerwähnt, wer oder was genau als relevanter Tweet in die Bewertung einfließt. Ein schwammiger "über mehrere Jahre" dauernder Lehrprozess der KI, angestoßen durch die Sowa Labs Experten, muss dem Nutzer  genügen.

Inwiefern man hier mit den Diensten von Bloomberg oder Reuters konkurrieren kann, ist daher fraglich.

Bison - das mobile Börsenparkett ohne Handelsgebühren

Mo-So in der Zeit von 6-24 Uhr hat die Bison-App "geöffnet". Das Handelsspektrum liegt bei 20-50.000 EUR je Order. Höhere Beträge müssen auf mehrere Order verteilt werden. Die Bison Funds werden dabei von der Blocknox GmbH treuhänderisch und nach "Top Secret" Sicherheitskonzept verwahrt. Das Handelskonto der Bison App liegt bei der Solaris Bank, die ihre Euroguthaben durch die gesetzliche Einlagensicherung schützt. Jeder Bison-Kunde kann hier ein kostenloses Konto erstellen.

Da alle Handelsgeschäfte in der App ohne Gebühren auskommen, stellt sich die Frage der Rentabilität für die Börse Stuttgart. Als ständiger Käufer und Verkäufer von Cryptowährungen für die Nutzer der App, profitiert sie dabei von der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufsoption.

Bitcoin.de, Bitwala und Bison

Um sich am Markt gegenüber der Konkurrenz von Bitcoin und Bitwala zu behaupten, hat man mit Blick auf ein kostengünstiges Handelsportal sicher einiges zu bieten. Ob die sehr vakante Position CryptoRadar jedoch tatsächlich ein geeignetes Mittel ist, um eine gut informierte Kauf- oder Verkaufsentscheidung zu treffen, darf bezweifelt werden. Hier sollte seitens der Initiatoren noch mehr Öffentlichkeitsarbeit erfolgen.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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