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09.10.2014

Crowdfunding und die pharmazeutische Forschung

Crowdfunding wird als Finanzierungsmethode für immer mehr Branchen attraktiv. Doch dass es auch als Methode für die Pharmaforschung in Betracht kommt, mag so Manchen verwundern, denn abseits der Industrie hat so manches wichtige Forschungsprojekt Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Gerade für Spin-Off-Gründungen aus dem Wissenschaftsbetrieb ist die alternative Finanzierungsmethode deshalb interessant.

Die Pharmazeutische Forschung leidet weltweit unter Schwierigkeiten, wenn es darum geht Finanzierungen für die Entwicklung neuer Medikamente gegen seltene Krankheiten zu finden. In vielen Ländern wurde die öffentliche Förderung für Forschungseinrichtungen zurückgefahren und für Banken stellen aufwändige Versuchsreihen, deren wirtschaftlicher Erfolg oft ungewiss ist, ein Risiko dar.

So lässt sich verstärkt beobachten, dass Crowdfunding immer häufiger als Finanzierungsmodell in Betracht kommt, wenn nicht große Investoren wie Bill Gates die Forschungsprojekte unterstützen. Forscher und Institute, denen es nicht gelingt Gelder aufzutreiben, wenden sich an private Unterstützer, die bereit sind in die oft langwierige und von Rückschlägen begleitete Erforschung von Krankheiten zu investieren.

Doch genau hier liegen auch die Schwierigkeiten, die mit Forschungsprojekten verbunden sind: Ob das investierte Kapital in ein fertiges und marktfähiges Produkt fliesst, ist ungewiss und der wissenschaftliche Nutzen für Laien oft nicht zu verstehen. Zudem könnte es gerade bei Projekten, die nicht ohne Weiteres verständlich sind, Schwierigkeiten geben, die notwendige Aufmerksamkeit zu erzeugen.

So ist der Schritt zu eigenen Crowdfunding-Plattformen für Forschungsprojekte naheliegend. In den USA existiert mit The Experiment bereits ein Portal, das einige Kampagnen erfolgreich realisiert wurden. Zuletzt startete dort das Startup OncoSynergy, ein durch eine Spin Off-Gründung aus der Universität von Kalifornien entstandenes Unternehmen, eine Kampagne zur Finanzierung von Grundlagenforschung zu Ebola.

Anhand der Dimension der Epidemie erscheint das gesetzte Fundingziel von 10.000 Dollar eher bescheiden. Das gesammelte Kapital floss in die Veröffentlichung von grundlegenden Ergebnissen, auf die Forscher aus aller Welt Zugang haben sollen, die an der Entwicklung eines Medikamentes arbeiten. Der Ausbruch von Ebola verdeutlich aber eben auch die Probleme vor der die Forschung steht, wenn der Pharmaindustrie aufgrund ungewisser Umsatzchancen die Forschung zu bestimmten Krankheiten nicht rentabel genug erscheint.

Deshalb kann die Finanzierung von Forschungsprojekten durch Crowdfunding sinnvoll sein. Ein gutes Beispiel ist der Erfolg einer Kampagne zum Aufbau einer Datenbank für seltene Krankheiten in Massachussets. Hier kamen 25.000 Dollar zusammen, die in den Ausbau der Infrastruktur fließen.

In Deutschland hatte im Juli 2014 das Dresdner Unternehmen Ribbox über Seedmatch 400.000 Euro zur Finanzierung von Tests seiner Medikamente gegen Krebs eingesammelt. bei Ribbox handelt es sich um einen Spin-Off aus der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden. Bei Ribbox waren übrigens weniger Schwierigkeiten einen großen Investor aus der Pharmaindusrie zu finden ausschlaggebend, eine Crowdfunding Kampagne zu starten, als die bewusste Entscheidung gegen eine Einflussnahme großer Konzerne auf die eigene Forschung.

So können gerade junge Wissenschaftler, die den Schritt von der Forschung innerhalb staatlicher Institutionen zur Gründung eines eigenen Unternehmens wagen, vom Crowdfunding profitieren.

Über den Autor
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René Wendler

René Wendler wurde 1975 geboren, ist in Ostdeutschland aufgewachsen, studierte in Leipzig und machte sich direkt im Anschluss mit der Betreuung von Gründern selbstständig. Von 2002 bis 2007 betreute er gemeinsam mit André Wittig ca. 750 Gründer persönlich und seit 2008 weitere 100.000 Gründer mit seinem Team, über die Onlineangebote der Zandura GmbH, zu denen insbesondere auch unternehmenswelt.de gehört.