Titelbild
21.09.2017

Freie Berufe wachsen um 400.000

Eine aktuelle Studie des Institut für Freie Berufe, Nürnberg (IF) zeigt, wie die Zahl von rund 1 Mio. Selbständigen in den freien Berufen 2008 auf aktuell 1,382 Mio. 2017 angestiegen ist.

Große Unterschiede

Freiberufler sind wie Gewerbetreibende selbständig. Doch unterscheidet sie ein ganzer Regelkatalog. Denn: der Gewerbetreibende zahlt z.B. Gewerbesteuern, der Freiberufler nicht. Und hinzu kommt ein ganzes Bündel unterschiedlicher Formalitäten bei der Gründung, unterschiedliche Rechtsformen, spezielle Bedingungen für den Berufszugang und zur Berufsausübung sowie zur Altersvorsorge, Versicherung und Krankenversicherung.

Freie Berufe: Wer gehört dazu? Wer ist Gewerbetreibender?

Als allgemein bekannt gilt, dass Architekten und Rechtsanwälte zur Gruppe der Freiberufler gehören. Bei ihnen ist die Voraussetzung, dass die geistige, schöpferische Arbeit im Vordergrund stehen soll, gegeben. Des Weiteren definiert man den Freiberufler wie folgt:

  1. Freiberufler verfügen über besondere berufliche Kenntnisse, die sie nicht zwingend durch ein Hochschulstudium erworben haben. In der Regel müssen diese Kenntnisse wissenschaftliche fundiert sein und dem Niveau eines Hochschulstudiums entsprechen.
  2. Sie können diese Kenntnisse über ein Selbststudium, durch ihre Berufstätigkeit oder eine Ausbildung mit staatlichem Abschluss erlernt haben.
  3. Freiberufler erbringen mit ihren Kenntnissen besondere Dienstleistungen mit hohem Wert für die Gemeinschaft (wenn sie etwa Kranke heilen).
  4. Alleine der Freiberufler bestimmte über Qualität seiner Leistung. Für diese hat er die volle fachliche Entscheidungsfreiheit.
  5. Das Einkommen bzw. das Honorar der Freiberufler richtet sich häufig nach den Gebührenordnungen für die zugehörige Berufsgruppe.

Zu den freien Berufen zählen:

  • Apotheker
  • Architekten
  • Ärzte
  • Buchprüfer, vereidigte
  • Dolmetscher
  • Hebamme
  • Heilmasseur
  • Heilpraktiker
  • Ingenieure, beratende
  • Journalisten
  • Kulturberufe, freie (Musiker, Schauspieler, Tänzer, Sänger, Regisseur, Maskenbildner, Dramaturg, etc.)
  • Lotsen
  • Patentanwälte
  • Psychotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Rechtsanwälte
  • Sachverständiger
  • Steuerberater/-bevollmächtigte
  • Tierärzte
  • Unternehmensberater
  • Wirtschaftsprüfer
  • Zahnärzte

...und viele andere mehr.

Für ein Gewerbe bedarf es laut Gewerbeordnung fünf Bedingungen:

  1. Eine Tätigkeit, die nicht verboten ist.
  2. Eine Tätigkeit, die mit Absicht unternommen wird, Gewinn zu erzielen.
  3. Eine Tätigkeit, die auf Dauer angelegt ist.
  4. Eine Tätigkeit, die selbständig ausgeübt wird (also nicht im Angestelltenverhältnis).
  5. Ein Gewerbetreibender ist derjenige, der kein Freiberufler ist.

Finanzämter entscheiden mit Hilfe der Rentenversicherungsträger

Das Einkommensteuergesetz regelt in § 18 Absatz 1 konkret wer zu den freiberufliche Berufsgruppen zählt. Dabei unterscheidet es zwischen den so genannten 'Katalogberufen' (das sind die klassischen freien Berufe), den 'ähnlichen Berufen' (welche den Katalogberufen in Ausbildung und Tätigkeit ähneln) und den 'Tätigkeitsberufen' (selbständige wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten, welche die typischen Merkmale einer freiberuflichen Tätigkeit zeigen.

Eine große Übersicht, welche freien Berufe es gibt und in welche Kategorie sie eingeordnet werden, zeigt der aktuelle Infoletter Gründerzeiten Nr. 17 (PDF, S. 4) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI. Hier werden sowohl die 'schwierigen Fälle' erläutert, in denen sich gewerbliche Anteile und freiberufliche Tätigkeiten in der Selbständigkeit mischen, als auch die selbständiger Freiberufler, die beim Finanzamt als solche geführt werden, aber aus Sicht des Rentenversicherungsträgers keine 'echten Selbständigen' sind, nämlich Selbständige mit nur einem Auftraggeber oder Scheinselbständige. In der Scheinselbständigkeit ist kaum noch eine eigenständige unternehmerische Tätigkeit zu erkennen, da man z.B. in den Räumen des Auftraggebers zu arbeiten und hat und Entscheidungsbefugnisse stark eingeschränkt sind.

Statusfeststellungsverfahren durch DRV

Das BMWI rät: "Wer seine Lage im Zweifelsfalle klären will, sollte das möglichst innerhalb eines Monats nach Aufnahme seiner Tätigkeit tun." Anlaufstelle für das so genannte Statusfeststellungsverfahren ist folgende Clearing-Stelle:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV), 10704 Berlin, Telefon: 030 8651, E-Mail: drv@drv-bund.de, www.deutsche-rentenversicherung-bund.de 

Fakt ist: Das Finanzamt oder im Zweifelsfall ein Gericht trifft die endgültige Entscheidung darüber, ob eine Tätigkeit als freiberufliche oder gewerbliche Selbständigkeit einzustufen ist.

Insgesamt 5,1 Mio. Erwerbstätige in den freien Berufen

Und zum Abschluss noch einige Zahlen, welche auf die enorme Bedeutung der freien Berufe in Deutschland hinweisen: Neben den knapp 1,4 Mio. Selbständigen in den freien Berufen arbeiten dort weitere 3,3 Mio. Beschäftigte in sozialversicherungspflichtigen Verhältnissen (z.B. als Angestellte in Büros, Praxen und Betrieben). Zusammen mit den rund 100.000 Auszubildenden und den mehr als 300.000 mitarbeitenden, nicht sozialversicherungspflichtigen Familienangehörigen ergeben sich insgesamt 5.1 Mio. Erwerbstätige in den freien Berufen. Deutschland: ein Land der Dichter und Denker - und der Freiberufler.

Das könnte Sie auch interessieren

Businessplan erstellen

Businessplan

Der Businessplan legt den Grundstein für deine Gründung. Mit dem kostenfreien Businessplantool erstellst du deinen Businessplan einfach und sicher selbst. Schritt für Schritt begleiten wir dich auf den folgenden Seiten auf dem Weg zu deinem Businessplan.

Fördermittel

Kostenfreier Fördermittelcheck für Unternehmer

Das Angebot an Fördermitteln ist umfangreich und für viele Unternehmer kaum noch zu überblicken. Mit dem kostenfreien Fördermittelcheck von Unternehmenswelt haben Sie die Möglichkeit das passende Förderprogramm für Ihr Vorhaben zu finden - zugeschnitten auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens.

Über den Autor
Marcos Lòpez 2017

Marcos López

Der studierte Kommunikationswissenschaftler arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Redakteur und freier Autor. Er ist in Zürich geboren, wächst in Madrid und in der Nähe von Frankfurt am Main auf, bevor er vor der Wende nach Berlin kommt. Hier moderiert er im Hörfunk, schreibt für diverse Stadtmagazine und wird auch als DJ und Produzent bekannt. Von den Neuen Medien und Sozialen Netzwerken fasziniert, gestaltet er Beiträge für Print, Web und TV.