03.12.2015

Unternehmerstory: WOWbrows Gründerin Melanie Labes im Interview

„Erfolgreich zu sein ist schön, aber man zahlt auch einen hohen Preis. Wer über Nacht erfolgreich wird, hat tagsüber viel gearbeitet.“

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WOWbrows Gründerin Melanie Labes berichtet in ihrer Unternehmerstory von der Geschichte von WOWbrows, der Methode Microblading und wie sie es schaffte ihr Konzept zu einem echten Erfolg werden zu lassen. Sie erzählt aber auch von den Schattenseiten der Selbständigkeit, den Preis, den man für den Erfolg über Nacht, zahlen muss und wie sie die Verantwortung als Mutter einer Tochter mit der einer Unternehmerin unter einen Hut bringt.

Unternehmerstory: WOWbrows Gründerin Melanie Labes im Interview

Hallo Frau Labes, stellen Sie sich und Ihr Unternehmen WOWbrows doch kurz vor!

Hallo, WOWbrows ist Anbieter von Dienstleistungen, Produkten und Schulungen im kosmetischen Bereich. Genauer gesagt sind wir spezialisiert auf die Methode Microblading, eine minimal invasive manuelle Technik für ein natürliches Permanent Make Up an den Augenbrauen. Unsere Kunden kommen aus ganz Europa und schätzen uns als einen verlässlichen Partner der Alles aus einer Hand liefert. Vom Know How bis hinzu allen notwendigen Produkten, die man dafür benötigt, sind wir der erste Anbieter weltweit.

Das heisst das Konzept WOWbrows stammt nicht aus Ihrer eigenen Feder?

Doch, selbstverständlich! Das Konzept stammt von mir persönlich.

Fangen wir mal von Vorne an: Ich bin als kaufmännische Angestellte 2011 in Elternzeit gegangen und habe mir währenddessen überlegt, dass ich nicht wieder zurück ins Büro möchte. Eine Ausbildung zur Pigmentiererin mit nachfolgender Kosmetik Ausbildung legten den Grundstein. 2012 fing ich im Salon meiner Schwiegermutter an, die ersten Behandlungen am Kunden zu erbringen. Meinen Bürojob übte ich in Teilzeit nebenher aus. 2013 steigerte sich meine Leidenschaft für das Beauty Gewerbe und ich stieß bei der Recherche im Internet auf die Methode "Microblading". Die Ergebnisse dieser Behandlung waren für mich eine Erleuchtung und ich besuchte sofort einen Workshop um diese Technik zu erlernen. Weitere Workshops folgten in 2014 und ich entschied mich dazu, mich auf diese Technik zu spezialisieren. Als eine der ersten Pigmentiererinnen deutschlandweit war es zunächst ein Nischenmarkt. Ich habe jedoch fest daran geglaubt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich dies ändert. Meine Vermutung, dass Microblading bald eine sehr gefragte Beauty Anwendung ist, war goldrichtig. Ich veröffentlichte Bilder der Behandlung im Vorher-Nachher-Vergleich und es löste eine Welle der Begeisterung aus. Bereits im Juni 2014 gingen bei mir die ersten Anfragen nach Schulungsmöglichkeiten ein. Die Nachfrage war also geschaffen. Jetzt brauchte es nur noch ein gut durchdachtes Konzept wie z.B. ein didaktisch aufbereitetes Schulungsskript und die Programmierung eines eigenen Webshops für den Produktvertrieb. Die Programmierung habe ich in Eigenleistung zusammen mit meinem Mann gemacht. Über verschiedene Kanäle bezogen wir unser erstes Warenlager und im September 2014 nach zahlreichen Tests haben wir beschlossen den Shop zu launchen und meinen Bürojob zu kündigen. Noch vor dem offiziellen Launch hatten wir bereits Bestellungen aus der UK und der Schweiz. Meine erste Schulung im Oktober 2014 in Nürnberg mit ca. 17 Teilnehmern war ein voller Erfolg. Die Nachfrage riss nicht ab und so machten wir weiter. Heute versenden wir monatlich ca. 300 Bestellungen europaweit, haben 3 Mitarbeiter und 2 freie Dozenten für verschiedene Standorte in Deutschland und der Schweiz. Wir haben ca. 400 Absolventen seit unserer Gründung ausgebildet und haben eine stetige Wachstumsrate.

Wow! Eine beeindruckende Entwicklung, die Sie mit WOWbrows vorweisen können. Was waren die größten Herausforderungen, denen Sie sich als Unternehmerin bisher stellen mussten?

Herausforderungen gibt es etliche. Erfolgreich zu sein ist schön, aber man zahlt auch einen hohen Preis. Wer über Nacht erfolgreich wird hat tagsüber viel gearbeitet. Burnout ist ein Luxus den ich mir gar nicht leisten könnte. Mein Privatleben leidet stark, gerade weil ich noch eine Tochter im Alter von 4 Jahren habe. In Bezug auf das Geschäft sind die wohl größten Herausforderungen immer innovativ zu sein und sich von Mitbewerbern nicht einholen zu lassen. Wir haben den Wettbewerbsvorteil als erster am Markt gewesen zu sein und den gilt es zu verteidigen. Der Druck auf mich als Unternehmerin ist immens. So schön und spannend wie diese Branche auch ist, es gibt viel Missgunst und Neid unter den Mitbewerbern. Mit öffentlichen Anfeindungen musste ich persönlich erstmal klar kommen und mir ein dickes Fell wachsen lassen. Von Monat zu Monat wachse ich an meinen Aufgaben und dank der personellen Verstärkung meines Teams bin ich auch wieder in der Lage Freizeit zu genießen.

Wahre Worte, Frau Labes. Haben Sie eine bestimmte Strategie verfolgt, um den Wettbewerbsvorteil erhalten zu können? Welche Methoden nutzen Sie, um innovativ zu bleiben und Trends nicht zu verpassen?

Es gibt viele Strategien. Zum einen studieren wir den Weltmarkt über verschiedene soziale Netzwerke. Nur so erfahren wir, was der Markt überhaupt will. Da draußen sind viele wichtige Informationen für uns direkt vom Anwender. Er nennt ein Problem und wir lösen es. Mit einem bestimmten Produkt oder unserem Know How. Gleichzeitig bleiben wir auf diese Weise in Kontakt mit Pigmentierern weltweit und können unser Angebot entsprechend in gezielte Kanäle streuen. Wir haben aber auch schon vieles abgelehnt. Das gehört denke ich dazu. Wenn man einen gewissen Qualitätsanspruch auf professioneller Ebene anstrebt kann man nicht jede Anfrage bedienen. Sonst hätte ich die Welt mit meinen Schulungen bereisen können. Das passt nur leider so gar nicht in meine Lebenssituation.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Welche Marketingmethode spielt für Sie die größte Rolle?

Definitiv Facebook! Weiterhin sind wir als Aussteller auf Fachmessen oder inserieren in Fachzeitschriften. Demnächst wird es auch Fotostrecken in der Gala und Vogue Deutschland geben, die wir über eine PR Agentur bekommen. Facebook oder Instagram sind für uns dennoch immer noch die beste Plattform um schnell und ohne großen Aufwand viele Leute zu erreichen. Bei uns läuft viel über Bilder im Vorher/Nachher-Effekt. Wir machen regelmäßig Fotoshoots oder Videodrehs aus denen neues Material entsteht. Wir haben sogar kürzlich einen Kinospot gedreht, um beim Endverbraucher auch regional bekannter zu werden.

Was bedeutet es Ihnen Ihr eigener Chef zu sein? Und gibt es eine bestimmte Philosophie nach der Sie als Unternehmerin handeln?

Eine gute Frage. Mit dieser Frage habe ich mich selbst auch schon oft beschäftigt. Als Angestellte denkt man immer, wenn man sein eigener Chef ist, kann man freier über seine Freizeit verfügen. Oder sich zumindest die Arbeit nach eigenem Maßstab einteilen. Das sicher ja, aber die Aufgaben müssen ja trotzdem erledigt werden. Und ich stelle immer wieder fest, dass es völlig egal ist, wieviel ich schaffe zu erledigen. Ob bis Nachts um 2 oder am Wochenende. Ich werde nie fertig. Es ist einfach nie Feierabend. Der Betrieb beschäftigt einen rund um die Uhr. Beim Treffen mit Freunden, beim Spielen mit dem Kind, im Urlaub oder im Kino. Nichts lenkt einen ausreichend ab, um mal nicht ans Geschäft zu denken. Das kann sehr belastend sein. Wenn ein freies Wochenende ansteht und ich keine Termine wahrnehmen muss, habe ich mir vorgenommen am Freitag keine Emails mehr zu lesen oder Briefe zu öffnen. Es gibt Dinge, die bis Montag warten können. Ich achte jetzt umso mehr auf eine ausgeglichene Work-Life Balance.

Eine bestimmte Philosophie gibt es bei mir nicht. Die Rolle der Unternehmerin ist auch noch sehr neu für mich. Deshalb gibt es auch einige Fehlentscheidungen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Ich handle gern nach folgenden Zitaten: "Finde Deine Berufung und Du wirst nicht einen Tag arbeiten müssen." Oder auch: "Tu es mit Liebe und das Geld kommt von ganz allein." Und zu guterletzt mein Lebensmotto: "Mut wird mit Glück belohnt“.

Schöne Worte, Frau Labes. Lassen Sie sich bei unternehmerischen Aufgaben extern unterstützen bzw. nutzen Sie spezielle Beratungsangebote?

Nein, ich nutze keinerlei Beratungsangebote. Eine gute Freundin, die im Top Level Management eines großen Konzerns tätig ist, hat mich anfangs beraten. Das waren viele tolle Ratschläge, aber letztendlich konnte mich niemand da draußen auf das vorbereiten was ich zur Zeit erlebe. Ich habe ab und zu in Fachzeitschriften für Selbständige geblättert. Aber das war meist nicht auf mein Unternehmen zugeschnitten. E-Commerce wird nicht so oft thematisiert und schon garnicht im Kosmetiksektor. Jetzt wo ich weiß, wie alles funktioniert könnte ich noch ein zweites Standbein in der Unternehmensberatung eröffnen. Meine Steuerberaterin stößt in ihrer beratenden Funktion eigentlich an ihre Grenzen und ist mehr administrativ tätig. Aber welche Pflichten eine Kapitalgesellschaft hat und wie man eine innergemeinschaftliche Ausfuhrlieferung fakturiert, habe ich schon vorher im Büro gelernt. Man sollte ein gewisses betriebswirtschaftliches Grundverständnis mitbringen. Allerdings hätte ich gern Jemanden am Anfang gehabt, der mir sagt was ich in meine Gewerbeanmeldung schreiben muss, wie der steuerliche Erfassungsbogen auszufüllen ist oder welche Tätigkeiten ich in der Handwerkskammer anmelden muss. Die vom Amt sind ja nur Exekutive und haben meistens selber keine Ahnung welche Auswirkungen ein Kreuz an einer falschen Stelle haben kann.

Eine letzte Frage: Was sind die 3 wichtigsten Tipps, die Sie anderen Unternehmen mit auf den Weg geben möchten?

Oh, da hätte ich sicher mehr als 3 Tipps. Neben den üblichen Floskeln die man überall hört wie z.B. an seine Idee zu glauben und hart dafür zu arbeiten spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  1. Den Markt studieren, um sowohl Mitbewerber als auch die Zielgruppe einschätzen zu können.
  2. Niemals stehenbleiben und sich stetig weiterentwickeln, um immer einen Wettbewerbsvorteil zu haben und damit langfristig am Markt zu bleiben.
  3. Schnell sein, aber ohne voreilige Entscheidungen zu treffen. Alles will gut durchdacht sein. Besser man lässt auch mal Gelegenheiten an sich vorbeiziehen, bevor man mit einem unreifen Produkt oder Idee an den Start geht.

Vielen Dank, Frau Labes für das wirklich interessante Interview. Wir werden die Fortschritte von WOWbrows weiter verfolgen und wünschen Ihnen viel Erfolg.

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Über den Autor

Janine Friebel

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