30.08.2018

Wenn eine Gründungsidee fehl schlägt – Scheitern als Ansporn weiterzumachen

Vom Scheitern und was sich daraus lernen lässt - Wir berichten über den Umgang mit einer gescheiterten Existenzgründung

In Teil II unserer Serie über das Scheitern geht es um den Umgang mit einer gescheiterten Existenzgründung. Viele Gründer, die mit einem Projekt schon einmal einen Misserfolg erlebt haben, plädieren für eine offenere Fehlerkultur. Dafür, Scheitern als einen Teil eines Lernprozesses zu verstehen und für das nächste Projekt die Strategie anzupassen.

scheitern

In Berichten über Gründungen geht es oft hauptsächlich darum, wie Erfolge zustande kommen. Ungleich seltener liest man, dass Geschäftsideen sich als Flop entpuppen, wie Gründer viel eigenes Geld und das ihrer Investoren in den Sand setzen und daraufhin aufgeben müssen. Doch welchen Umgang damit wählen, wenn eine Gründung gescheitert ist? In Teil 1 unserer Serie haben wir über die Angst vorm Scheitern gesprochen. Nun soll es darum gehen, wie man Scheitern auch als Ansporn weiterzumachen nutzen kann. 

Prominent gescheitert

Franziska von Hardenberg, einst gefeierte Gründerin des Startups Bloomy Day, hat es 2017 öffentlich vorgemacht. Ihr 2012 gegründetes Unternehmen für Blumen-Abos, in dem zwischenzeitlich 300 Menschen mitgearbeitet haben, musste Insolvenz anmelden. Von Hardenberg gab in einem Brief öffentlich das Ende von Bloomy Days bekannt und erklärte sich darin. Die Reaktionen auf den Brief fand sie überraschend: „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass er so eine Welle der Solidarität auslöst. Ich habe über 500 Nachrichten bekommen. Von Gesellschaftern, Investoren, ehemaligen Mitarbeitern, von so vielen Menschen.“, sagt sie später.

Gründen – Scheitern – Weitermachen

Entscheidend, so Franziska von Hardenberg später auf ihrem Blog, war, schnell weiterzumachen. Und so gründete sie von Neuem ein Unternehmen. Nicht gebrochen sei sie durch ihre Erfahrung, sondern reifer geworden. Obwohl die dunklen Momente, die Verzweiflung und die Enttäuschung des oft so tabuisierten Scheiterns deswegen nicht weniger schlimm gewesen wären.

Die Erfahrung, dass die Bloomy Day-Gründerin trotz des Scheiterns ihres Unternehmens von Investoren und anderen Unternehmern weiterhin ernst genommen wird, teilt sie mit anderen, die eine Pleite durchgemacht haben. Als ob das Scheitern eben eine Art Feuertaufe des Unternehmertums wäre. Als ob gemäß dem Mantras „Fail fast, fail often“ der Tech-Industrie im Silicon Valley gerade das Weitermachen zeige, ob jemand Unternehmer sei oder nicht.

Fröhlich Scheitern? Fuckup Nights

Als fünf Unternehmer aus Mexikos Startup-Szene 2012 von endlos vielen Erfolgsstories aus ihrem Umfeld genug hatten, begannen sie damit, sich gegenseitig Erfahrungen des Scheiterns zu erzählen. Damit waren die Fuckup Nights geboren, die die Gründer in der Folge öffentlich organisierten. Das Format darf mittlerweile scheinbar in keinem Gründerzentrum oder Startup Hub mehr fehlen: Unternehmer erzählen auf der Bühne ihre Geschichten vom Scheitern und lachen dabei.

Befreiend, lustig und authentisch sei das, so die Begründer der Fuckup Nights. Und es gibt Zuschauern die Chance, nicht nur aus den eigenen, sondern auch aus den Fehlern anderer zu lernen. An vielen Stellen wird so für eine entspanntere, weniger tabubelastete Fehlerkultur gestritten. Für einen Umgang, der Fehler als notwendige Schritte im Lernprozess von Gründern betrachtet.

Aus Fehlern lernen heißt die Strategie wechseln

Manche, wie der Deutschlandfunk Nova-Redakteur Sebastian Reims sind jedoch schon deutlich genervt vom Hype ums Scheitern: „Ich kann diese ewige Wiederholungsschleife von den unendlichen Chancen des Scheiterns nicht mehr hören.“ Oder wie die Burda-Managerin Stephanie Czerny sagt: „Scheitern ist so hip zur Zeit. Ich finde Scheitern schon wieder langweilig. ,Always make new mistakes‘ heißt doch im Grunde, dass man sich nicht verkrampft und unsicher und mit Tunnelblick seinen Aufgaben stellen soll.“

Genau diese dazu gewonnene Sicherheit kann sich dann entfalten, wenn es nach einem Scheitern weiter geht. Nämlich, wenn Unternehmer Schlüsse aus ihren Fehltritten ziehen. Konkret muss das heißen, beim nächsten Projekt die Strategie anzupassen, um nicht dieselben Fehler noch einmal zu begehen. Zum Beispiel analytischer an die Einschätzung des eigenen Marktes heranzugehen oder stärker und zeitiger die Bedürfnisse der eigenen Kunden zu erforschen.

Um eines kann es beim produktiven Umgang mit dem Scheitern letztlich nicht gehen: Darum, sorglos alte Fehler zu wiederholen.

Über den Autor

Ulrike Schult

Ulrike Schult

Die Autorin ist als Redakteurin im Team von unternehmenswelt.de tätig. Zuvor beriet Ulrike Schult in Leipzig Studierende zum Einstieg ins Berufsleben und organisiert momentan unter anderem an der Fachhochschule ein überfachliches Qualifizierungsprogramm für Doktoranden aus den Ingenieurswissenschaften und anderen Bereichen.

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