Was ist ein ICO? – Initial Coin Offering als Kapitalaquise am Crypto-Währungsmarkt

Innovatives Risikokapitalmanagement vs. unregulierte Papiere mit unverhältnismäßiger Bewertung

Fast 700 ICOs haben laut einer monatsaktuell veröffentlichten Studie der University of Pennsylvania bis zum Juli 2018 stattgefunden. Insgesamt 14 Milliarden USD konnten im Zuge dessen für die jeweilig dahinter verantwortlich zeichnenden Crypto-Unternehmen und ihre White Paper Ideen akquiriert werden.

ico

Einerseits als innovative Strategie der Start Up – Szene gelobt, um Autonomie gegenüber Venture Capital – Gebern zu gewährleisten, andererseits aufgrund mangelnder behördlicher Regulierung und dubioser White Paper mit dem teilweisen Betrugsverdacht konfrontiert, lohnt sich ein aktueller Blick auf den Status Quo im digitalen Crowdfunding.

Was ist ein ICO?

Initial Coin Offering (auch Token Sale) bezeichnet im Kern und aus Unternehmensperspektive die Emittierung von Crypto-Token an interessierte Anleger zum Zwecke der Akquise von Gründungskapital für in Zukunft zu realisierende Projekte auf der Basis eines White Papers.

Aus Anlegerperspektive bedeutet dieser Mechanismus digitalen Crowdfundings prinzipiell einen Erwerb jeweiliger Token mittels Fiat–Vertretern oder im Tausch gegen andere Crypto–Währungen, in der Hauptsache Ethereum und Bitcoin.

Der Erwerb an sich ist allerdings nicht automatisch eine Anteilseignung am Unternehmen vergleichbar dem IPO (Initial Public Offering) an traditionellen Stock Exchanges, der für den ICO Namenspatron stand. Mitspracherechte und Dividendenausschüttung sind nicht per se an einmal erworbene Token geknüpft, sondern erfordern seitens der Anleger ein entweder entsprechendes Engagement in Proof-of-Stake basierten Ledgers oder eine Anlagestrategie, die fernab der Verwendung erworbener Token als systeminternes Interaktionsmittel (Utility Token) diese als gleichsam passives Einkommen generierende Wertpapiere (Revenue Share Token) strukturiert.

Die Ausgabe der Coins erfolgt systemimmanent und dezentral via Smart Contracts bislang in der Hauptsache über die Ethereum Blockchain oder namentlich über bislang noch weniger bekannte Ledger wie Aeternity. Der standardisierte ERC-20 Token bietet dabei die programmatische Basis für die Ausgabe von an diesem orientierter Token – Äquivalente.

Ist der ICO das neue Venture Capital Management der Crypto–Community?

Statistische Beobachtungen aus dem Jahr 2017 markieren bereits jetzt einen vielfach höheren Kapitalgewinn, den Unternehmen durch ICOs gegenüber klassischen Venture Capital - Akquisen erzielen konnten und dies bei vergleichsweise geringerer Anzahl von ausgerufenen Investitionsangeboten. 

ICO staatlich noch weitgehend unreguliert

Attraktiv ist diese Form der Kapitalaneignung besonders aufgrund ihrer liberalen Methodik, die bislang noch! weitgehend unreguliert durch staatliche Behörden oder Anforderungsvorgaben der Kapitalgeber auskam. Dass sich dies sukzessive ändern wird, zeigen erste Annäherungen staatlicher Institutionen an eine finanzrechtliche Einordnung der ICOs. Diese national sehr unterschiedlichen Bestrebungen können in Abhängigkeit der jeweiligen Etablierung des Crypto – Marktes besser verstanden werden.

Chinesische Bank verbietet sämtliche ICOs

So ist es nicht verwunderlich, dass die People's Bank of China (PBoC) im September 2017 ein Verbot auf sämtliche ICOs erteilte und diese als "illegal and disruptive to economic and financial stability" bezeichnete. Diese Haltung ist angesichts empfindlicher Hacks und Token–Trickbetrug durch Shit Coin - Anbieter in Millionenhöhe durchaus nachvollziehbar. Manche sprechen jedoch nur von einem Zwischenstopp der Behörden, um nach eingehender Analyse ein nachhaltiges Regularium präsentieren zu können. Denn die Effektivität des Verbots zeigt sich nur mehr darin, dass sich das Geschäft seither teilweise über Scheinfirmen ins Ausland verlagert.

Vertrauen für Investoren mittels Howey Test schaffen?

Bereits konkreter im Sinne einer positiven Antizipation agiert die SEC (U.S. Securities and Exchange Commission ). Sie hat eigens den sogenannten Howey–Test etabliert, der Investoren eine Richtschnur geben soll in der Identifikation vertrauenswürdiger Projekte, deren ICO-Angebote eine Klassifizierung als Wertpapier(handel) erlauben und damit eine finanzrechtliche Einordnung mit Rechten und Pflichten für beide Parteien.

Dem anschließend äußert sich auch die BaFin vorsichtig optimistisch, wenn Sie in einem offiziellen Empfehlungsschreiben im März 2018 die Fallhöhen für eine finanzrechtliche Einordnung von ICOs absteckt immer mit dem Verweis auf eine „genaue Einzelfallprüfung“ der jeweiligen Geschäftsmodelle (vergleiche dazu: https://www.bafin.de).

Investieren oder nicht? - Gibt es den ICO-Königsweg?

Unabhängig von einer verständlicherweise erst stetig sich an einen neuen und exorbitant boomenden Technologiesektor sich anpassenden institutionellen Rahmengesetzgebung, bieten viele unabhängige Plattformen die Möglichkeit das eigene Investitionsvorhaben solide zu planen. Auf https://icocheck.io/ werden z.B. einzelne ICOs hinsichtlich ihrer gemäß SEC empfohlenen Charakteristika im Sinne vertrauensvoller Finanzprodukte tiefengeprüft und für den interessierten Nutzer anschaulich gerankt.

Angesichts der Tatsache, dass 59% aller im Jahr 2017 gestarteten Token–Sales entweder vorsätzlich durch Betrug scheiterten oder durch wettbewerbsmindernde Parameter im Scheitern begriffen sind, erscheint diese Inbezugnahme etablierter Onlinedienste hochaktuell.

Etablierte Crypto-Währungen nutzen meist selbst ICOs 

Und es darf nicht zuletzt vergessen werden, dass auch die „Coin Market Capitalists“ im besten Sinne unter den Token-Sales zu finden sind, deren ICO letztlich dazu diente entweder eigene Forschungsvorhaben großvolumig umzusetzen oder diese in Verbindung mit namhaften Vertretern aus IT und Banking weiter voranzutreiben. Hier seien beispielhaft die Partnerschaften von Ripple, Ethereum oder EOS genannt, die an anderer Stelle bereits Thema waren.

Auch wenn die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit das eine oder andere White Paper als Schmierpapier entlarvt haben und aktuell sowohl für Investoren als auch für ICOs veranstaltende Unternehmen in der Interaktion die rechtlichen Fallstricke zwischen Eigen- und/oder Fremdkapitalbewertung sehr hoch sind, so scheint, mit einer gesunden Portion Optimismus betrachtet, dies ein ledigliches Intermediär darzustellen.

Der Königsweg scheint für die Zukunft ein Hybrid zu sein aus institutioneller Rahmengesetzgebung, die teilweise für das Handelsgut cryptobasierter Token erst neu geschaffen werden muss und der Peer-to-Peer Trust, den das Netzwerk einfordert aber eben auch halten muss.

Wenn man diesen letzten Punkt aus Investorensicht zu Ende denkt, dann bedeutet dies auch die aktive Teilnahme an der Fortentwicklung des favorisierten Projektes und das wiederum erfordert eine Einsicht nicht nur in seine Funktionsweisen, sondern idealerweise auch in den diese definierenden Code.

Nun muss sicher nicht jeder Mathematiker oder Programmierer sein, um ein Crypto ICO nachhaltig zu bewerten. Die Konsultation von Plattformen wie GitHub oder icocheck.io und der dort gesammelten Expertise ist ein guter Anknüpfungspunkt für eigene Überlegungen, die via Online Forum mit Entwicklern und Programmierern zur Diskussion angeregt sind. Auf diese Weise könnte die Identifikation von Top Performern tatsächlich gelingen plus dem Bonus an Gründergeist und Thrill, der Investoren und Entwickler eines ICOs gleichsam eint und sie anders als beim klassischen IPO für die Unternehmensgeschicke richtungslenkend von Anfang an definiert.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Als freie Texterin fokussiert sie sich auf die Themen Nachhaltigkeit, innovative Entwicklungskonzepte und responsible tourism. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen.

unternehmenswelt