25.10.2019

Diversität und Gründungskultur: Warum gründen so wenig Frauen in Deutschland?

Wir schauen auf aktuelle Zahlen und werfen einen Blick hinter sie

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Aktuelle Studienergebnisse der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Sista zur Diversität in europäischen StartUps zeigen alles andere als ein ausgewogenes Geschlechterprinzip innerhalb der untersuchten europäischen Unternehmen. Nur 4% Gründerinnen gibt es demnach unter den deutschen StartUps. Damit nicht genug, erhalten weibliche Gründer weniger Investitionskapital und ihre Unternehmen werden geringer bewertet. Was sind mögliche Gründe für diesen Unterschied und gilt das tatsächlich für alle Branchen deutschlandweit? Wir schauen auf aktuelle Zahlen und werfen einen Blick hinter sie.

Female Entrepreneurship

BCG Diversity Barometer 2019: Zahlen und Fakten

Für ihre Analyse zu Diversität in europäischen StartUps betrachtete das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group 15.000 deutsche, französische und britische Startups, die seit 2008 gegründet wurden. Bereits im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz schneidet Deutschland schlechter ab: In Frankreich liegt die Gründerinnenquote bei fünf Prozent. In Großbritannien sind rein von Frauen gegründete Firmen mit immerhin schon 8% vertreten. National zeichnen die Zahlen ein noch düsteres Bild:

  • nur 4% der untersuchten StartUps in Deutschland wurden allein von Frauen gegründet,
  • 10% hatten gemischte Gründungsteams und ganze
  • 86% waren rein männlich dominiert.
  • StartUps, die allein von Frauen gegründet wurden, haben zudem eine deutlich geringere Chance auf Zugang zu Wagniskapital als männliche Gründer oder gemischte Gründungsteams (-18%). Diese Quote liegt bei den von europäischen Hauptinvestoren geförderten StartUp sogar noch höher (-25%).
  • Männliche Gründungsteams in Deutschland erhalten im Schnitt das Dreifache an Kapital als weibliche Gründungsteams.
  • Weiblich geführte StartUps sind im Schnitt um mehr als das 16fache geringer bewertet als männlich geführte StartUps.

Die Autoren kommen in der erweiterten Analyse der ausgewerteten Zahlen zu dem Schluss, dass bei aktuell gleichbleibender Entwicklung ein Ausgleich zwischen den untersuchten Gruppen - männliche Gründer, gemischte Gründungsteams und allein von Frauen gegründete StartUps - erst in 120 Jahren, im Jahr 2139, erreicht werden wird.

Diversität und Gründungskultur: Was sind mögliche Gründe für die Unausgewogenheit?

Unter weiblichen Gründern werden häufig drei maßgebliche Ursachen den Frauen selbst für die noch unterrepräsentierte Erscheinung als CEO zugeschrieben:

  1. Zurückhaltung und Bescheidenheit der Frauen vs. proaktive Dominanz der Männer im Auftreten (Wer generiert mehr Aufmerksamkeit für sich und sein Produkt. Wer tritt deutlicher aus der Masse hervor.)
  2. zu großer Perfektionismus in der Umsetzung der Geschäftsidee/Entwicklung unter Frauen
  3. fehlendes Networking und damit weniger Unterstützer als männliche Gründer

Darüber hinaus muss erwähnt werden, dass die einzelnen von BCG untersuchten Fragestellungen nicht singulär betrachtet werden können, sondern eben zusammenhängen. Die ebenfalls geringe Quote gemischter Gründungsteams basiert auf der Tatsache, dass Männer häufiger mit Männern gründen als mit Frauen (nur 11%), während Frauen dies vermehrt tun (70%). Auch unter den Investoren ist festzustellen, dass z.B. unter den 3 Top Venture Capital Funds in Deutschland nur einer mit einem weiblichen Partner im Team aufwarten kann. Hier muss gefragt werden, warum diese Zahlen die Fakten bilden und ob sich aus einer daraus zweifellos abzuleitenden eben nicht ausgewogenen Repräsentanz beider Geschlechter spezielle Verhaltensweisen und u.U. Voreingenommenheiten ergeben.

Prinzipiell sollte Parität geschlechtsunabhängig gelten und dieser Fakt prozentualen Wertzuschreibungen gegenüber autark.

Frauen als Gründerinnen und Unternehmerinnen: Ist alles doch nicht so schlimm?

Um ein geschlosseneres Bild der Sachlage zu erhalten, sollten Statistiken aufgerufen werden, die eine größere Branchendichte abbilden. So waren z.B. laut Mikrozensus im Jahr 2017 34 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland Frauen. Der Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2018 verzeichnete mit 37 Prozent eine ebenfalls hohe Anzahl von Unternehmensgründungen durch Frauen. Damit ist ihr Anteil zwar immer noch deutlich unter dem der Männer (diese gründeten laut Statistischem Jahrbuch im Jahr 2018 doppelt so oft wie Frauen). Dennoch ergibt sich so eine deutlich andere Perspektive.

Wo finden angehende Unternehmerinnen Unterstützung?

Die Bundesregierung richtet sich mit ihrer gründerinnenagentur bga speziell an Frauen, die gründen wollen mit einem umfangreichen Beratungsangebot. Die bga ist mit Regionalverantwortlichen in allen 16 Bundesländern vertreten. Sie vermittelt Gründerinnen und Unternehmerinnen den Zugang zur Expertise von über 500 Beratungseinrichtungen für die Erst- und Orientierungsberatung, zu rund 1300 Fachleuten für die vertiefte Beratung sowie zu 350 Netzwerken. Gefördert wird die Agentur von Bundesfrauenministerium gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Kontakt zur Gründerinnenagentur erhalten Sie bei der für Sie zuständigen Regionalstelle und zentral via Mail unter bga@gruenderinnenagentur.de.

In Einzelprojekten unterstützt der Bund Gründerinnen und Unternehmerinnen zu wichtigen Themen. Das Projekt “Nachfolge ist weiblich!” adressiert das Thema Unternehmensnachfolge durch Frauen. Laut KfW Research planen in Deutschland bis zum Jahr 2022 über eine halbe Million Inhaber und Inhaberinnen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine Unternehmensnachfolge. Frauen sollen hier als relevante Kandidaten unterstützt werden. Dafür hat die Bundesregierung den 21. Juni zum Nationalen Aktionstag der Unternehmensnachfolge durch Frauen erklärt. Bundesweite regionale Veranstaltungen und Aktionen inklusive Podiumsdiskussionen, Infotelefon, Beratungen und Live-Chats mit erfolgreichen Betriebsübernehmerinnen sollen Frauen künftig jedes Jahr im Zuge avisierter Betriebsübernahmen unterstützen.

Ein weiteres Projekt der Bundesregierung richtet sich insbesondere an Gründerinnen im Handwerk. Aktuell erfolgt jede vierte Gründung im Handwerk durch eine Frau, davon der überwiegende Teil im Friseur- und Kosmetikhandwerk. Die Palette der Möglichkeiten sollen interessierten Frauen noch deutlicher durch erfolgreiche Praxisbeispiele vor Augen geführt werden. Gute Karrierechancen bieten z.B. weniger bekannte Handwerks- und Meisterberufe wie der Augenoptiker oder Hörgeräteakustiker. Mit einer eigenen Roadshow und erfolgreichen Gründerinnen im Gepäck tourt die Bundesregeierung deshalb nun durch Deutschland, um Frauen für das Handwerk zu begeistern. Unter dem Motto “Meine Zukunft: Chefin im Handwerk” lässt die interaktive Ausstellung bereits seit 2011 erfolgreiche Chefinnen im Handwerk zu Wort kommen und hofft auf Zugkraft durch die weiblichen Vorbilder. Die Roadshow ist auch 2019 weiterhin in Deutschland unterwegs.

Strukturförderung betreibt das Projekt "Selbst ist die Frau!: Existenzgründung von Frauen im ländlichen Raum". Die Initiative des Deutschen Landfrauenverbands richtet sich besonders an Frauen in ländlichen Regionen. Das Projekt läuft noch deutschlandweit bis zum 31. Dezember 2020 und unterstützt Frauen, die im ländlichen Raum gründen wollen. Regionale Projektverantwortliche listet der Deutsche Landfrauenverband auf seiner Homepage.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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