26.10.2019

Stock to Flow-Modell: Wieviel ist ein Bitcoin tatsächlich wert?

Bitcoin als digitaler Wertspeicher und seine erstaunlichen Parallelen zu Gold

Das Portal für Gründer und Unternehmer

  • Kontakt zu mehr als 500.000 Unternehmern
  • Unterstützung bei Ihrer Gründung & Finanzierung
  • Zugang zu kostenfreien Tools & Vorlagen

In einer Studie zum “Megatrend Digitalisierung: Läuft Bitcoin Gold den Rang ab?” widmete sich die Bayern LB kürzlich einer Analyse zur Wertbestimmung der Cryptowährung Bitcoin. Die Autoren bedienten sich dafür eines Vergleichs mit dem aus der Rohstoffanalyse bekannten Stock to Flow-Modell und entdeckten interessante Parallelen zwischen der vermeintlich volatilen digitalen Diva und ihrem konservativen Pendant. Worum es beim Stock to Flow-Modell genau geht und worin die Ähnlichkeiten zwischen Bitcoin und Gold genau bestehen, klären wir auf.

Golden Bitcoin

Stock-to-Flow-Modell: Kurz und Klar

Das Stock to Flow-Modell wird herangezogen, um den “Härtegrad” eines Assets zu definieren. Es basiert im Kern auf dem Verhältnis von Bestand zu neuem Angebot. Folgt man dem Beispiel Gold, so trifft ein nur begrenzt möglicher jährlicher Zuwachs (Flow) an neuem Gold auf einen bereits sehr großen Bestand (Stock). In diesem Fall spricht man von einem hohen Stock to Flow-Verhältnis. Ein hohes Stock to Flow-Verhältnis wird als Quantifizierung der „Härte“ eines Assets angesehen.

Das Stock to Flow-Verhältnis dient auch als Qualitätskriterium für monetäre Güter. Historisch betrachtet wurde immer jenes Gut mit dem höchsten Stock to Flow-Verhältnis als Geld benutzt, da es den besten Werttransfer über die Zeit ermöglichte. Im Fall von Gold bedeutet das, dass aufgrund der inhärenten Vorbedingungen der Wert des Goldes niemals übermäßig stark verwässern kann (Easy Money Falle) und es dadurch historisch betrachtet als bevorzugter Wertspeicher diente oder als Gegensicherung für ausgegebene Währungen. Ganze 30 Jahre von Mitte der 1880er Jahr bis zum Beginn des 1. Weltkriegs stellte Gold sogar den einzigen weltweiten monetären Standard dar.

Stock-to-Flow-Modell: Was hat das alles mit Bitcoin zu tun?

Satoshi Nakamato, der Erfinder von Bitcoin hat die Cryptowährung mit den Worten der Bayern LB Autoren “als ultrahartes Geld designed”. Während sich Gold diesen Status über Jahrtausende hat erarbeiten müssen, bevorzugt Nakamoto den kurzen Weg via “Angebotsengineering”, das den Bestand an neuen Bitcoins sukzessive verknappt.

Wichtige Eckdaten hierfür sind der kommende Mai 2020 und das Jahr 2024, wenn sich jeweils der Block-Reward für die Miner im Netzwerk halbiert (sog. “Halving”-Mechanismus). Dies geschieht nach dem Willen Nakamotos alle 210.000 neu geschaffenen Blöcke oder circa alle 4 Jahre. Im Jahr 2012 fand das erste Halving statt und der Block Reward sank von vormals 50 BTC auf nur noch 25 BTC. 2016 wiederholte sich dies protokollgemäß (12,5 BTC) und setzt sich demnächst fort im Mai 2020 auf dann einen Block-Reward von nur noch 6,25 BTC.

Das, was bei Gold einem natürlichen Prozess folgt, die immer schwerer werdende Förderung und damit Beschränkung des neuen Angebots, designed Nakamoto bei Bitcoin als künstliche Verknappung, mit der, wie die Bayern LB Autoren zutreffend feststellen, “kein physisches Element aus dem Periodensystem mithalten könnte”.

Die maximale Anzahl an Bitcoins beträgt 21 Millionen. Diese können nicht beliebig gemined werden, sondern werden durch den Halving Mechanismus systematisch reduzierter ausgegeben. Wichtig zu wissen. Den „Geniestreich“ Nakamotos erkennt die Bayern LB insbesondere darin, das Angebot an Bitcoins vom Preis und den Schürfanstrengungen (=Rechenpower) zu entkoppeln. Wenn der Preis steigt (fällt) und mehr (weniger) Rechenleistung ins System kommt, wird der Schwierigkeitsgrad für das Schürfen neuer Bitcoin entsprechend nach oben (unten) angepasst. Damit wird die angestrebte Ausgabe von Bitcoins ungeachtet von Preisschwankungen sichergestellt.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Gold und Bitcoin als Wertspeicher ist die mangelnde Multifunktionalität des jeweiligen Assets, wobei dieser Umstand für den rein digitalen Wert Bitcoin noch weitaus stärker gilt. Während beide vor Preisverwässerungen verschont bleiben, die sich durch eine breite Nutzung z.B. in der Industrie ergeben könnten (Bsp. Palladium), kann Gold hochdekorative Zwecke erfüllen. Bitcoin kann keinerlei weitere Funktion einnehmen denn als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Dadurch können auch keine anderen Nachfragentwicklungen den Preis verzerren. Dies macht Bitcoin ähnlich wie Gold prinzipiell attraktiv als langfristiger Wertspeicher.

Stock-to-Flow-Werte und Marktkapitalisierung: Wertediagramm mit klarer Perspektive

Anhand des Stock to Flow-Modells entwerfen die Autoren ein Wertediagramm, das den Stock-to-Flow Wert einzelner Edelmetalle zu Bitcoin ins Verhältnis setzt. Demnach erhöht sich der Stock to Flow-Wert von Bitcoin von aktuell circa 25,8 auf schlagartig fast 53 mit dem nächsten Halving im Mai 2020. Der Stock to Flow-Wert von Gold, der aktuell bei circa 58 liegt, wird dann laut BayernLB unmerklich höher sein. Damit ist Bitcoin ultrahart wie Gold.

Stock-to-Flow-Model: Fazit

Die BayernLB versteht ihre Analyse als “gute Heuristik für das Verständnis von Bitcoin”, gibt aber zu bedenken, dass “selbst das beste statistische Modell scheitern kann”. Im Mai 2020 erleben HODLer und Kritiker dann gleichermaßen ihren buchstäblichen Härtetest.

Ihre Ergebnisse zur Analyse des Stock-to-Flow-Modells inklusive Wertediagrammen stellt Ihnen die Bayern LB im Netz ausführlich zur Verfügung.

Lesen Sie außerdem

Bitfury – Die goldene Bitcoin-Gans | unternehmenswelt.de
Bitfury – Die goldene Bitcoin-Gans | unternehmenswelt.de
Bitfury gilt aktuell als das größte nicht-chinesische Unternehmen am Herstellermarkt für Bitcoin-Blockchain-Software und BitcoinMining-Infrastruktur. Mit seinen Anwendungen zur Etablierung z.B. des Lightning Network oder der Herstellung von ASIC-Chips ist CEO Valery Vavilov der Pekinger Konkurrenz um den Bitmain-Antminer dicht auf den Fersen. Dass man sich dabei weit weniger abhängig macht von schwankenden Kursen, zeigen neben den vielfältigen Geschäftsbereichen eine clevere Investitionsstrategie und nachhaltige Partnerschaften. Damit hat man es aktuell als einziges europäisches Blockchain-Unternehmen auf die Liste der Forbes FinTech Top 50 Preisträger 2019 geschafft - Crypto-Kopf Valery Vavilov im Fokus.
Blockchain Grundlagenwissen
Blockchain Grundlagenwissen
Wir erklären die verschiedenen Bereiche der Crypto-Technologie von Grund auf. Beginnend mit den Themen Crypto Mining, Wesen und Wirkung der Blockchain gehen wir tief in die Beschreibung der Kryptographie und beleuchten auch mögliche Risiken (z.B. durch Hacking) der Blockchain.
Handel mit Kryptowährungen
Handel mit Kryptowährungen
Der Handel mit Kryptowährungen hat sich längst vom Insidergeschäft zu einem attraktiven Markt für Investoren unterschiedlichster Couleur gewandelt. Was es zwischen exorbitanten Gewinnversprechen und Totalverlust zu beachten gilt, haben wir in verschiedenen Artikeln für Sie zusammengefasst.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

Ähnliche News für Gründer und Unternehmer
24.05.2019

Crypto News der Woche 21/2019

„Hold on for dear life“ oder wie sehr liebst du deinen Coin?, Craig Wright und der Streit um die Bitcoin-Urheberschaft, Launch der Coinbase Earn Plattform u.v.m.

Crypto News der Woche 21/2019

Wer sich dieser Tage im Zwiespalt darüber befindet, welchem Analysten Glauben zu schenken ist und welchem Trend der Bitcoin-Kurs demnächst folgen wird, der möge sich entspannt das HODL-Prinzip und einige Gebote für Bitcoiner in Erinnerung rufen. Auf der seit kurzem live geschalteten Coinbase Earn Plattform kann man darüber hinaus ab sofort seinen Wissensstand zu Crypto-Währungen und -Technologien vertiefen. Satoshi Nakamoto kommt unterdessen nicht zur Ruhe. Der zweifelhafte Claim der Bitcoin-Urheberschaft durch Craig Wright wurde nun jedoch durch das US Copyright Office relativiert. - Dies und mehr in den Crypto News der Woche.

17.05.2019

Crypto News der Woche 20/2019

Moloch DAO oder wie Vitalik Buterin und Joe Lubin mit heidnischen Göttern Akquise für Ethereum betreiben, die Pläne der deutschen Bundesregierung zur Regulierung von Cryptowährungen, der Bitcoin-Bull Run und seine Hintergründe u.v.m.

Crypto News der Woche 20/2019

Die aktuellen Bitcoin-Kursgewinne lassen Anleger derzeit (wieder) träumen. Großvolumige institutionelle Investitionen, der sich nun final abzeichnende Launch der BAKKT-Plattform, und eine nicht zu unterschätzende positive öffentliche Wahrnehmung der Cryptowährung 1. Stunde tragen dazu bei. Damit sich im Ethereum-Netzwerk künftig ebenfalls eine breitere Öffentlichkeit zahlungskräftig engagiert, vertrauen die Gründer Vitalik Buterin und Joe Lubin seit kurzem auf Moloch DAU und referieren damit mythologische Vorstellungswelten. In Deutschland ist man unterdessen ganz bürgernah. Auf dem vergangenen Sparkassentag bekräftigte Bundesfinanzminister Olaf Scholz noch einmal die Bestrebungen der Bundesregierung nach einer Crypto-Regulierung mit Abschluss noch im kommenden Herbst. In dieser Woche die Louis Vuitton-Blockchain für Echtheitszertifzierung in Frankreich und ein schlauer Whiskey aus Schweden.

28.12.2018

„Those who dare to fail greatly, dare to achieve greatly“

Der Crypto-Jahresrückblick 2018 und Ausblick 2019

„Those who dare to fail greatly, dare to achieve greatly“

Sowohl rückblickend auf die Ereignisse des sich zu Ende neigenden Jahres, als auch vorausschauend auf sich abzeichnende Schlaglichter in 2019, summiert das Eingangszitat der Winklevoss Brüder diese in beispielhafter Prägnanz. Wer mag sich noch an den Bitcoin Höchststand von 1 BTC=20.000 USD im Dezember 2017 erinnern, an nahezu tägliche Berichte in der Allgemeinpresse und ein Gefühl von digitalem Goldrausch an jeder Straßenecke.

unternehmenswelt