23.01.2019

Unternehmerstory mit Silvia Fritzsch - „Familie und ich“

"Ich habe eine deutliche Veränderung und Verschiebung meiner Prioritäten im Leben erfahren."

Silvia Fritzsch begleitet und unterstützt Eltern bei psychischen Belastungen im Familienalltag. Im Interview erzählt uns die Heilpraktikerin für Psychotherapie was das Besondere an ihrer Praxis „Familie und ich“ ist und welchen Herausforderungen sie sich als Einzelunternehmerin stellen musste.

Hallo Frau Fritzsch, stellen Sie sich und „Familie und ich“ doch kurz vor!

Silvia Fritzsch - Heilpraktikerin der Psychotherapie von Familie und ich

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und lebe mit meinem Mann und meinem Sohn im Landkreis München. Mein Ziel ist es, insbesondere Eltern bei psychischen Belastungen im Familienalltag zu begleiten und zu unterstützen. Um meinen Tätigkeitsschwerpunkt gut sichtbar zu machen, habe ich als Namen für meine Unternehmung „Familie und ich“ gewählt. Es geht mir einerseits darum, meine Klienten dabei zu unterstützen, familiäre Beziehungen gut zu gestalten und Konflikte nachhaltig zu lösen, und gleichzeitig darum, dass Mütter und Väter für sich selbst Freiräume finden, wenn sie Eltern geworden sind. Es ist in meinen Augen sehr wichtig, sein eigenes individuelles „Ich“ neben der Elternrolle im Blick zu behalten.

Wie ist die Idee zu Ihrer Praxis entstanden?

Seit der Geburt meines Sohnes im Jahre 2005 habe ich eine deutliche Veränderung und Verschiebung meiner Prioritäten im Leben erfahren. Mein Interesse für Eltern-Kind-Bindung, Erziehungsthemen und Balance zwischen Ansprüchen von außen und meinen eigenen Bedürfnissen ist stark gewachsen. Aus diesem Grund absolvierte ich zahlreiche Aus- und Weiterbildungen fernab von meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Veranstaltungsmanagerin. Ich entschied mich zunächst für eine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin. Danach wurde ich SAFE®-Mentorin („Sichere Ausbildung für Eltern“) und autorisierte Gordon-Familientrainerin.

Um Menschen mit psychischen Problemen umfassend unterstützen zu können und zu dürfen, habe ich im Jahr 2018 die Prüfung zur Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie absolviert und erfolgreich bestanden und damit den Grundstein für meine Praxistätigkeit gelegt.

Was ist das Besondere an „Familie und ich“?

Das Besondere an „Familie und ich“ ist, dass meine primäre Zielgruppe Eltern und Familien sind: angefangen bei Eltern von Säuglingen mit den Problemfeldern Schlafen, Schreien, Stillen, Signale des Babys verstehen lernen sowie der Herausforderung, Eltern zu sein und dennoch Paar zu bleiben über Eltern, deren Kinder sich gerade in der turbulenten Entwicklungsphase des Trotzes oder der Pubertät befinden. Ich zeige Möglichkeiten der Konfliktlösung auf, ohne dass es Machtkämpfe geben muss. Im Zentrum meiner Arbeit steht das Anliegen, familiäre Beziehungen so zu gestalten, dass sich jedes Familienmitglied mit seinen Bedürfnissen ernst genommen fühlt. Ich unterstütze auch Eltern, insbesondere Mütter, die den Wiedereinstieg in den Beruf planen und den Spagat zwischen beruflichen und privaten Anforderungen zu meistern haben. Auch Menschen, die aktuell Lebenskrisen zu bewältigen haben, stehe ich beratend zur Seite. Methodisch arbeite ich ressourcen- und lösungsorientiert, weil ich davon überzeugt bin, dass jeder Mensch Experte für sein eigenes Leben ist und es manchmal nur eines kleinen Impulses von Außen bedarf, um diese Ressourcen (wieder) zu entdecken und (Denk-)Blockaden zu lösen oder alte, nicht mehr hilfreiche Muster aufzudecken. Veränderungen sind so oftmals innerhalb weniger Sitzungen möglich. Ein genereller Vorteil von Heilpraktikern für Psychotherapie, die ja nicht mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen, ist die kurzfristige Terminverfügbarkeit, es gibt praktisch keine Wartezeit für die Klienten bis zum Erstgespräch.

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse konnten Sie in die Gründung Ihrer Praxis einbringen? Und in welchen Bereichen gab es noch Nachholbedarf?

Da halte ich es gern wie Carl Rogers, dem Begründer der klientenzentrierten Gesprächstherapie. Die Grundvoraussetzungen für eine gelingende therapeutische Beziehung sind Empathie, also Einfühlungsvermögen, sich quasi gefühlsmäßig in die Schuhe des Klienten stellen können, Akzeptanz, das heißt, jeden Menschen in seiner Art anzunehmen, wie er ist und Kongruenz, was gleichbedeutend ist mit Echtheit – es geht also um eine Begegnung von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe. Neben diesen Fähigkeiten treibt mich der Wunsch, Menschen in Krisenzeiten individuell zu begleiten, d.h. zu schauen, was konkret diese Person in dieser Situation an Hilfe zur Selbsthilfe benötigt. Auch Organisationstalent und Zielstrebigkeit sind wichtige Fähigkeiten, die ich einbringe. Nachholbedarf gab es bei rechtlichen und steuerlichen Themen und auch im Bereich Social Media.

Was ist die größte Herausforderung der Sie sich als Einzelunternehmerin stellen müssen?

Die größte Herausforderung für mich persönlich ist momentan das Thema Geduld. Darauf vertrauen, dass die Praxis anlaufen wird, dass meine Ideen wirklich Früchte tragen.

Durch wen haben Sie sich während der Existenzgründung beraten lassen? Welche Angebote haben Sie genutzt?

Ich hatte großartige Unterstützung von Claudia Hönig, Unternehmensberatung für Heilberufe, die mir insbesondere bei der Websiteerstellung behilflich war. Außerdem habe ich am Zentrum für Naturheilkunde ein Praxisgründungsseminar absolviert und auch der Berufsverband VFP stellt seinen Mitgliedern viele hilfreiche Informationen zur Verfügung.

Welche unternehmerischen Aufgaben lassen Sie extern betreuen?

Derzeit übernehme ich noch alle Aufgaben selbst, denke aber darüber nach, mir Unterstützung von einem Steuerberater zu holen, damit mir mehr Zeit für das bleibt, was ich am liebsten tun möchte: Familien in schwierigen Situationen und herausfordernden Zeiten zu begleiten.

Bei welchem Unternehmen würden Sie gern mal einen Tag hinter die Kulissen schauen und warum?

Ich würde sehr gern Prof. Dr. med. Karl-Heinz Brisch bei seiner Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals in München begleiten, um von ihm noch mehr über Eltern-Kind-Bindung und seine Art der Gesprächsführung mit Familien zu lernen. Dafür reicht ein Tag aber nicht aus.

Wenn Sie für „Familie und ich“ einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Mein Wunsch ist, dass Eltern und Familien sich helfen lassen, bevor Konflikte eskalieren, die Freude am Familienleben dauerhaft verschwindet und bleibender Schaden an der Eltern-Kind-Beziehung entsteht. Es ist ein Irrglaube, alle Schwierigkeiten alleine bewältigen zu müssen. Sich bei Bedarf frühzeitig professionelle Unterstützung zu holen, finde ich sehr wichtig.

„Familie und ich“, wo geht die Reise hin? Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten 12 Monate aus?

Für 2019 plane ich, mein Angebot über meine Website und die Verteilung von Flyern noch bekannter zu machen. Außerdem werde ich mein Vortragsangebot über die Volkshochschulen ausweiten und Inhouse-Schulungen für das Personal von Kindertagesstätten anbieten. Zu guter Letzt brüte ich über dem einen oder anderen neuen Workshopkonzept für Eltern. Langweilig wird mir also garantiert nicht und das ist gut so ☺.

Über den Autor

Janine Friebel

Janine Friebel

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