05.07.2018

Scheinselbstständigkeit – Wann sie vorliegt und welche Konsequenzen sie hat

Für Auftraggeber und Auftragnehmer wichtig: Bei Scheinselbständigkeit Zahlung von Sozialabgaben

Wer Aufträge an Selbständige vergibt, möchte sich sicher sein, dass der Auftragnehmer damit nicht scheinselbständig ist. Denn damit würden Sozialbeiträge fällig, die Auftraggeber zu zahlen haben. Weisungsabhängigkeit, Eingliederung in den Betrieb des Auftraggebers und Honorarhöhen gelten trotz relativer Rechtsunsicherheit als Kriterien für die Scheinselbstständigkeit.

scheinselbstständigkeit

Scheinselbstständigkeit ist eine Frage, mit der sich sowohl Auftraggeber als auch selbständige Auftragnehmer auseinandersetzen sollten. Hauptsächlich geht es dabei um die Frage, wer die Sozialversicherungsbeiträge der eventuell Scheinselbständigen zahlt.

Besonders freie Mitarbeiter und Einzelunternehmer können als Scheinselbständige gewertet werden, für die der Auftraggeber in die Sozialkassen einzahlen muss. Allerdings leitet sich von einer festgestellten Scheinselbstständigkeit kein Anspruch des Auftragnehmers ab, in ein Anstellungsverhältnis zu wechseln.

Das Spektrum auf Seiten der betroffenen Auftragnehmer ist denkbar breit: Es reicht am einen Ende von Personen mit Niedriglöhnen und prekären Einkommensverhältnissen bis zu gut bezahlten Freelancern am anderen Ende. Niedrig verdienende Reinigungskräfte und Sprachlehrer können also ebenso darunterfallen wie IT-Spezialisten mit guten Honoraren.

Rechtsunsicherheit bei Scheinselbstständigkeit

Die Frage, ob ein Auftragnehmer als Scheinselbstständiger zu werten ist, kann über eine Betriebsprüfung der Sozialversicherungsträger oder über eine Statusfeststellungsklage auf die Tagesordnung kommen. Wie Scheinselbstständigkeit vermieden werden kann, ist allerdings nicht ganz leicht zu beantworten, denn es gibt uneinheitliche Urteile der Sozialgerichte dazu. Kriterienkataloge zur Scheinselbstständigkeit geben nur einen Anhaltspunkt und stellen keine Rechtssicherheit für Selbständige und Unternehmen her.

Dennoch: Kriterien der Scheinselbstständigkeit

Insgesamt wird nicht der Selbständige mit all seinen Tätigkeiten, sondern die jeweiligen Auftragsverhältnisse einzeln bewertet, wenn auf Scheinselbstständigkeit geprüft wird. In den Urteilen der vergangenen Jahre haben sich einige Punkte als ausschlaggebend für gerichtliche Entscheidungen über Scheinselbstständigkeit herausgestellt.

Ein wichtiges Kriterium ist, ob freie Mitarbeiter weisungsgebunden sind. Außerdem spielt eine große Rolle, wie stark sie in die Strukturen des auftraggebenden Betriebes eingebunden sind. Indizien für eine starke Einbindung sind z.B. wenn die Tätigkeit in den Räumen des Auftraggebers ausgeübt wird, Dienstkleidung des Auftraggebers getragen wird und der Auftragnehmer in den Personal-, Telefon- oder Urlaubslisten des Auftraggebers vorkommt.

Ein Urteil des Bundessozialgerichts vom März 2017 stellte zudem die Höhe des Honorars als wichtiges Indiz heraus: „Dem Honorar kam im Rahmen der Gesamtwürdigung der Einzelumstände eine besondere Bedeutung zu: Denn liegt das vereinbarte Honorar deutlich über dem Arbeitsentgelt eines vergleichbar eingesetzten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers, zum Beispiel eines festangestellten Erziehungsbeistands, und lässt es dadurch Eigenvorsorge zu, ist dies ein gewichtiges Indiz für eine selbstständige Tätigkeit.“

Unabhängig von den Kriterien, die Gerichte bei ihren Entscheidungen über Scheinselbstständigkeit berücksichtigen, sind jeweils die tatsächlichen Verhältnisse ausschlaggebend. Das heißt, nicht nur, was in Verträgen festgehalten ist, sondern die Art, wie die Aufträge umgesetzt werden.

Über den Autor

Ulrike Schult

Ulrike Schult

Die Autorin ist als Redakteurin im Team von unternehmenswelt.de tätig. Zuvor beriet Ulrike Schult in Leipzig Studierende zum Einstieg ins Berufsleben und organisiert momentan unter anderem an der Fachhochschule ein überfachliches Qualifizierungsprogramm für Doktoranden aus den Ingenieurswissenschaften und anderen Bereichen.

Ähnliche News für Gründer und Unternehmer
22.06.2018

Selbständig sein und Urlaub machen? 3 Tipps, wie das gelingt

Wie Sie ohne schlechtes Gewissen Strand, Wanderurlaub und Städtetrip genießen können

Selbständig sein und Urlaub machen? 3 Tipps, wie das gelingt

Wer selbständig ist, tut sich oft schwer, Urlaub zu planen und die Batterien wirklich aufzuladen. Vor der Angst vor Verdienstausfällen und unzufriedenen Kunden, die Sie nicht erreichen, sollten Sie aber nicht kapitulieren. Eine vorausschauende Preiskalkulation, langfristige Planung und der Mut, auch mal offline zu gehen, erleichtern das Abschalten.

07.12.2017

Morgens im Büro, abends auf dem Chefsessel

Das zweite Standbein neben der Festanstellung: Nebenerwerbsgründungen werden in Deutschland immer beliebter

Morgens im Büro, abends auf dem Chefsessel

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beobachtet zunehmend, dass sich JungunternehmerInnen parallel zum eigentlichen Job auch um den Aufbau der eigenen Firma kümmern. Offensichtlich erscheinen vielen Gründern die Einstiegsrisiken geringer. Aber wie sieht es mit einer adäquaten Förderung für das zweite Standbein aus?

14.11.2017

Die Gründerwoche 2017 - Teil 3

Ausgesuchte Veranstaltungstipps zur Selbständigkeit im Nebenberuf und Existenzgründung aus der Arbeitlsosigkeit

Die Gründerwoche 2017 - Teil 3

Kostenlose Workshops, Seminare und Wettbewerbe zum Thema berufliche Selbständigkeit – das ist die Gründerwoche vom Vom 13. - 19.11.2017. Sie findet seit 2008 einmal im Jahr in Deutschland statt. Dabei sind: Hochschulen, Kammern, Gründungsinitiativen, Wirtschaftsförderungen, Unternehmen, Verbände, Netzwerke uvam.

unternehmenswelt