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18.06.2019

Kommt bald die DIN-Norm für StartUps?

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat eine DIN-Spec für StartUps veröffentlicht.Die namentliche DIN-Spec 91354 soll mit Willen der Autoren bei sachgerechter Bearbeitung die Überlebenswahrscheinlichkeit eines StartUps erhöhen. Branchenexperten kritisieren das avisierte Regelwerk der Initiative jedoch bereits als „kontraproduktiv“. Was genau verbirgt sich hinter DIN SPEC 91354? Ist sie tatsächlich probates Mittel für einen langfristigen Geschäftserfolg?

Eine DIN-Spec ist noch keine DIN-Norm. Bei einer DIN-Spec handelt es sich um eine Spezifikation/Festlegung von Anforderungen, die mindestens 3 Interessenvertreter für ein Anwendungsgebiet nach vorheriger Genehmigung durch das Deutsche Institut für Normung erarbeiten. Nach geprüfter Veröffentlichung der DIN-Spec gelten die erarbeiteten Richtlinien für 3 Jahre, bevor der zuständige DIN-Projektmanager die weitere Gültigkeit via Anfrage an die Initiatoren überprüft. Zu diesem Zeitpunkt kann bei entsprechend breiter Marktakzeptanz unter allen Beteiligten der Antrag auf Normierung gestellt werden. Aus einer DIN-Spec kann dann eine DIN-Norm, ein echter verbindlicher Standard werden.

DIN SPEC 91354 ist ein Leitfaden speziell für StartUps. Die DIN-Spec beinhaltet wesentliche Punkte, die für die Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit eines StartUps relevant sind, so die Autoren. Die Beantwortung von Fragen zu u.a. Business- und Finanzplan soll Gründern dabei helfen, ihre Geschäftsidee solide zu etablieren.

Die DIN SPEC 91354 ist aus dem Projekt „Start-ups – Leitfaden für Förder- und Qualifizierungsprozesse bei technologie- und wissensbasierten Gründungen“ anlässlich der von DIN geförderten Initiative DIN-Connect hervorgegangen. Neun Projektpartner haben die DIN SPEC 91354 in 18 Monaten gemeinsam nach dem PAS-Verfahren (Publicly Available Specification) erarbeitet.

Dazu zählen AOM-Systems GmbH, axxessio GmbH, das cesah GmbH Centrum für Satelliten-Navigation Hessen, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Fresenius Hochschule Idstein, die IHK Darmstadt, das Dezernat Forschung und Transfer sowie das Fachgebiet Gründungsmanagement von der Technischen Universität Darmstadt und Tergau & Walkenhorst Patentanwälte | Rechtsanwälte.

Wie das Handelsblatt kürzlich auf Anfrage aus dem Bundeswirtschaftsministerium erfuhr, sind die dortige Digital- und Innovations- als auch die Mittelstandsabteilung bereits im Gespräch mit dem Deutschen Institut für Normung über die Verbreitung und die Nutzung der DIN-Spec. Sollten sich genügend Unterstützer finden, kann der Leitfaden in den nächsten Jahren als Norm etabliert werden.

Dr. Meiko Hecker, Gründer sowie Initiator und Projektleiter der DIN SPEC 91354 erklärt das übergeordnete Ziel des Leitfadens wie folgt:

„Die Gründung soll nach objektivierbaren und nachprüfbaren Maßstäben laufen. Damit wollen wir die Überlebenswahrscheinlichkeit von Start-ups erhöhen und die vielen Fehler, die man bei jungen Gründern immer wieder beobachtet, minimieren. Im Prinzip soll der DIN SPEC Leitfaden einem Erstgründer den Kenntnisstand eines Serial-Entrepreneurs vermitteln. Ein Serial-Entrepreneur hat in der Regel aus seinen Fehlern gelernt. Das bedeutet, er wird bestimmte Verhaltensweisen anwenden, um diese Fehler zukünftig zu vermeiden. Dieses Erfahrungswissen soll der Leitfaden widerspiegeln.“

Hecker und sein Team möchten besonders Gründern aus dem MINT-Bereich mit der DIN-Spec einen Leitfaden für langfristigen Unternehmenserfolg zur Seite stellen. Die gezielte Beantwortung gründungsrelevanter Fragen soll sowohl ihnen als auch potenziellen Investoren eine verlässliche Management- und Finanzierungsgrundlage bieten.

Zu diesem Zweck bearbeiten Gründer die in der DIN-Spec gelisteten Punkte: vom Unternehmenszweck über Produkt und Geschäftsmodell bis hin zur Finanz-, Personal und Organisationsplanung.

Das Spektrum der gestellten Fragen ist breit aufgestellt: Welches Problem löst das Produkt? Welchen Mehrwert bietet das Produkt für den Kunden und Nutzer? Warum soll es das Unternehmen geben? Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Wie sehen Marketing- und Vertriebsstrategie aus? Gibt es eine ausreichende Finanzplanung? Wie ist der Wettbewerb aufgestellt?

Die Spezifikation soll dazu beitragen die hohe Zahl von mehr als 80% gescheiterten StartUps innerhalb der ersten drei Jahre nach Geschäftsgründung zu minimieren.

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Die bereits angerissenen Vorteile der DIN-Spec als Gründungsleitfaden sind nach Meinung der Autoren vielfältig aufgestellt:

  • alle Anwender sollen mit der DIN SPEC 91354 von wertvollen Expertentipps für ihr StartUp profitieren
  • die im Zuge dessen zu beantwortenden Fragen und Praxisbeispiele zielen auf alle wesentlichen Kriterien im Gründungsprozess
  • Gründer, aber auch Berater, Investoren, Kreditinstitute, Wirtschaftsprüfer, Kooperationspartner, Kunden und potentielle Mitarbeiter können die DIN-Spec nutzen, um ein Gründungsvorhaben solide einzuschätzen
  • DIN Spec 91354 soll die Chance der StartUps auf wirtschaftlichen Erfolg signifikant steigern, indem sie die üblichen Fehler bei einer Gründung minimiert
  • besonders MINT-Gründer sollen unterstützt werden: „Die entscheidende Frage lautet: Welches real existierende Problem löst das Produkt oder die Dienstleistung? Von der Antwort auf diese Frage sind die meisten Technologiegründer sehr weit entfernt. Wir treffen in der Branche oft auf Lösungen, die noch ihr Problem suchen. Die Entwicklungen mögen an sich hervorragend funktionieren, gehen aber an den Marktbedürfnissen vorbei.“ (Stephan Haubold, Professor an der Hochschule Fresenius und Mitglied des Konsortiums)
  • der angestrebte Erfolg wird mit der etablierten DIN-Norm ISO 9001 vergleichen; diese liefert bereits verifizierte Erkenntnisse zum Qualitätsmanagement eines Unternehmens
  • übergeordnetes Ziel ist eine Zertifizierung für Gründer nach DIN-Norm analog zu ISO 9001; dies hätte letztlich einen entscheidenden Einfluss auf z.B. die Vergabe von Fördergeldern durch den Bund, Banken oder Privatinvestoren

Es gibt allerdings durchaus kritische Stimmen zur geplanten StartUp-Normierung. Die stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Startups Sonja Jost, ihres Zeichens ebenfalls Gründerin, zählt u.a. dazu. Jost erinnert gegenüber dem Handelsblatt an unterschiedliche Fragestellungen in den jeweiligen Phasen des Gründungsprozesses und an die allgemeine Regel des Wandels, der Geschäftsmodelle und Zielgruppen mit einschließt. Man kann laut Jost ein StartUp nicht am Schreibtisch planen. „Viele heute sehr erfolgreiche StartUps hätte es nie gegeben, wenn sie vorab ein Zertifikat benötigt hätten“

Ob sich DIN SPEC 91354 als Gründungsnorm wird etablieren können, muss sich in den nächsten drei Jahren anhand der Akzeptanz von allen Marktteilnehmern erst noch entscheiden.

Der vollständige Leitfaden DIN SPEC 91354 steht kostenlos unter www.beuth.de zum Download bereit. Fragen zu DIN SPEC 91354 beantwortet der verantwortliche Projektmanager der Initiative:

Dipl.-Ing. De-Won Cho

Saatwinkler Damm 42/43

13627 Berlin

Tel.: +49 30 2601-2303

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Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.