28.03.2018

Digitalisierung im Mittelstand – zu wenig neue Geschäftsmodelle

KfW-Studie: große Unterschiede zwischen kleinen und größeren Mittelständlern sowie zwischen den Branchen

Der deutsche Mittelstand investierte 2014-2016 hauptsächlich in neue IT-Strukturen, den digitalisierten Kontakt zu Kunden und Zulieferern sowie in den Ausbau von Digitalisierungskompetenzen. Zu wenig Investitionen erhalten laut der neuen KfW-Studie die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen. Kleine Unternehmen schließen im Vergleich zu größeren Mittelständlern deutlich weniger Digitalisierungsprojekte erfolgreich ab.

Nur 26% des deutschen Mittelstands haben zwischen 2014 und 2016 Digitalisierungsprojekte erfolgreich abgeschlossen. Das ergab die Studie „Digitalisierung im Mittelstand: Durchführung von Vorhaben und Höhe der Digitalisierungsausgaben“, die die KfW Bankengruppe am 17. März 2018 veröffentlichte. Bis zu 15.000 Unternehmen werden im Mittelstandspanel der KfW jährlich befragt, unter anderem zum Stand ihrer Digitalisierung.

In welchen Bereichen digitalisieren Unternehmen?

14 Milliarden Euro investierten mittelständische Unternehmen 2016 in die Digitalisierung. Am wichtigsten war den Unternehmen mit 54% der Investitionen die Erneuerung ihrer IT-Strukturen. Gleich dahinter rangiert der Kontakt zu Kunden und Zulieferern, in den 52% der Investitionen flossen. 38% der aufgewendeten Mittel dienten dem Aufbau spezifischer Digitalisierungskenntnisse. Mit 19% Investitionen legten Unternehmen am wenigsten Wert auf die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen. Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, findet gerade das beunruhigend. Denn Wachstum, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit hingen gerade davon ab, ob Unternehmen auf neue Geschäftsmodelle und neue Service- und Produktangebote setzen.

Kleine Unternehmen digitalisieren Kundenkontakt und Marketing/ Vertrieb

Zu 81% besteht der deutsche Mittelstand aus kleinen Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten. Aber nur 24% dieser Unternehmen haben zwischen 2014 und 2016 überhaupt Digitalisierungsprojekte abgeschlossen. Kleine Unternehmen digitalisieren hauptsächlich ihre Schnittstellen zu Kunden und Zulieferern sowie ihre Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Ihre Geschäftsmodelle an sich bleiben aber von Digitalisierung relativ unberührt, was der KfW-Vertreter Zeuner für bedenklich hält.

Digitalisierungsprojekte

Art der Digitalisierungsprojekte - Quelle: KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 202_17 (März 2018), Berechnungen von Dr. Volker Zimmermann

Große Mittelständler digitalisieren häufiger und technologisch anspruchsvoller

Mittelständler ab 50 Mitarbeitern sind deutlich aktiver in Sachen Digitalisierung: 45% von ihnen geben an, dass sie zwischen 2014 und 2016 Vorhaben im Bereich Digitalisierung abgeschlossen haben. Sie investieren anders als Kleinunternehmer viel stärker in die Erneuerung von IT-Strukturen, bauen die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter aus und reorganisieren ihre Workflows mit Hilfe digitaler Technologien.

Branchenzugehörigkeit beeinflusst Intensität der Digitalisierung

Wenig überrascht zeigt man sich bei der KfW darüber, dass gerade wissensbasierte Dienstleister aus IT und Medien sowie Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen sehr aktiv digitalisieren. 32% der Unternehmen dieser Branchen haben 2014-2016 Digitalisierungsvorhaben erfolgreich abgeschlossen. Aber auch von den Unternehmen im FuE-intensiven verarbeitenden Gewerbe, also Unternehmen in denen Forschung und Entwicklung zentral sind, haben mit 31% vergleichsweise viele Digitalisierungsprojekte abgeschlossen. Im Baugewerbe spielt die Digitalisierung dagegen mit 13% kaum eine Rolle.

Die vollständige KfW-Studie „Digitalisierung im Mittelstand: Durchführung von Vorhaben und Höhe der Digitalisierungsausgaben“ lesen Sie auf kfw.de

Das könnte Sie auch interessieren

Businessplan erstellen: Kostenfreie Vorlage inkl. Finanzplan
Businessplan erstellen: Kostenfreie Vorlage inkl. Finanzplan
Der Businessplan legt den Grundstein für Ihre Gründung. Mit dem kostenfreien Businessplantool erstellen Sie Ihren Businessplan einfach und sicher selbst. Schritt für Schritt begleiten wir Sie auf den folgenden Seiten auf dem Weg zu Ihrem Businessplan.
Fördermittel für Existenzgründer & Unternehmer | unternehmenswelt.de
Fördermittel für Existenzgründer & Unternehmer | unternehmenswelt.de
Die Fördermittel-Landschaft in Deutschland bietet Existenzgründern und Unternehmern mit über 1.000 Förderprogrammen zahlreiche Möglichkeiten, um Ihre Vorhaben zu realisieren. Wir unterstützten Sie dabei den notwendigen Überblick nicht zu verlieren. Regelmäßig stellen wir dafür neue und ausgewählte Förderprogramme im Fördermittelcheck von unternehmenswelt.de vor und berichten über die wichtigsten Neuerungen in unseren Fördermittel-News

Über den Autor

Ulrike Schult

Ulrike Schult

Die Autorin ist als Redakteurin im Team von unternehmenswelt.de tätig. Zuvor beriet Ulrike Schult in Leipzig Studierende zum Einstieg ins Berufsleben und organisiert momentan unter anderem an der Fachhochschule ein überfachliches Qualifizierungsprogramm für Doktoranden aus den Ingenieurswissenschaften und anderen Bereichen.

Ähnliche News für Gründer und Unternehmer
27.04.2018

Was kleine Unternehmen über die DSGVO wissen müssen

Welche Daten sind betroffen? Was müssen IT-Verantwortliche in kleinen Unternehmen tun?

Was kleine Unternehmen über die DSGVO wissen müssen

Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) soll personenbezogene Daten von Kunden und Mitarbeitern besser schützen. Ab 25. Mai gilt sie EU-weit ohne Ausnahme und sieht sowohl für die großen Internetkonzerne als auch kleine Unternehmen empfindliche Strafen vor, wenn sie nicht eingehalten wird.

13.04.2018

Handwerk und Arbeitgeber fordern flexibleres Arbeitszeitgesetz

Zeitgemäßere Regelungen abseits vom Acht-Stunden-Tag zugunsten größerer Wettbewerbsfähigkeit gefordert

Handwerk und Arbeitgeber fordern flexibleres Arbeitszeitgesetz

Acht-Stunden-Tage und dazwischen elfstündige Ruhezeiten – das ist für die wenigsten Selbständigen die Regel. Aber auch wenn gesetzliche Regelungen zur Arbeitszeit nicht für Sie selbst als Unternehmer gelten, so kommt das Arbeitszeitgesetz dann ins Spiel, wenn Sie Angestellte haben. Arbeitgebervertreter fordern die Novellierung des Arbeitszeitgesetzes in Richtung größerer Flexibilität.

11.04.2018

Trüberes Geschäftsklima im März 2018

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: US-Strafzölle sorgen für schlechte Stimmung

Trüberes Geschäftsklima im März 2018

Obwohl viele Mittelständler, die in die USA exportieren, trotz Trumps protektionistischer Politik nicht viel zu befürchten haben, trübt sich das Geschäftsklima im Mittelstand im März. Beim verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel kühlt sich die Stimmung ab, während mittelständische Bauunternehmen wegen des Aufschwungs in der Branche positiv gestimmt sind.

unternehmenswelt